26.09.2012 | Alternative zur Lohnerhöhung

Gehaltsextras: Da geht noch was

Statt einer Lohnerhöhung können Arbeitgeber ihren Mitarbeitern mit steuerlich geförderten Extras Gutes tun.
Bild: Michael Bamberger

Möchten Firmenchefs ihre Mitarbeiter durch eine Gehaltserhöhung am Erfolg des Unternehmens beteiligen, sollten sie neben der klassischen Gehaltserhöhung auch steuerbegünstigte Extras erwägen.

Hier einige der beliebtesten Zugaben im Überblick.

 

1. Erholungsbeihilfe statt Urlaubsgeld

Möchten Sie Ihre Mitarbeiter dieses Jahr mit einem Urlaubsgeld überraschen, rechnen Sie besser nach, wie viel davon nach Abzug von Steuern und Sozialversicherung tatsächlich im Geldbeutel des einzelnen Arbeitnehmers landet. Abzüge von 50 Prozent und mehr sind keine Seltenheit. Deshalb bietet sich hier als Alternative die „Erholungsbeihilfe“ an. Danach dürfen Arbeitgeber dem Mitarbeiter zum Urlaub 156 Euro dazu zahlen. Für seinen Ehegatten sind Zahlungen von 104 Euro und für seine Kinder jeweils 52 Euro erlaubt. Übernehmen Sie für diese Erholungsbeihilfe nach § 40 Abs. 2 S. 2 EStG in Verbindung mit Lohnsteuerrichtlinie 40.2 die pauschale Lohnsteuer von 25 Prozent, kommt der Zuschuss vollständig beim Arbeitnehmer an.

Erholungsbeihilfe für angestellten Ehegatten

Haben Sie Ihren Ehegatten im Betrieb angestellt, dürfen Sie ihm übrigens die Erholungsbeihilfe ebenfalls auszahlen und sich somit selbst und Ihren Kindern den Urlaub teilweise auf Staatskosten finanzieren. Doch das Finanzamt spielt hier nur mit, wenn auch andere Arbeitnehmer im Betrieb die Erholungsbeihilfe erhalten. Ist die Erholungsbeihilfe dagegen nur eine „Extrawurst“ für Ihren Ehegatten, verstößt das gegen den Grundsatz des Fremdvergleichs und kann bei weiteren Ungereimtheiten sogar zur kompletten steuerlichen Unwirksamkeit des Arbeitsverhältnisses führen.

2. Doppelte Verpflegungspauschale

Wussten Sie eigentlich, dass Sie Ihren Mitarbeitern anstatt der einfachen Pauschale für Verpflegungsmehraufwendungen anlässlich einer Dienstreise auch die doppelten Pauschalen auszahlen können? Der Dreh mit der doppelten Verpflegungspauschale funktioniert so.

 

  • Schritt 1: Die Auszahlung der gesetzlichen Verpflegungspauschale ist stets steuer- und abgabenfrei (bei Abwesenheit von zu Hause und vom Betrieb von mindestens 8/14/24 Stunden gelten die Pauschalsätze von 6/12/24 Euro).
  • Schritt 2: Die über die gesetzliche Pauschale geleistete Zahlung müssen Sie pauschal mit 25 Prozent besteuern. Voraussetzung: Die Zuzahlung darf den Verpflegungspauschbetrag nicht um mehr als 100 Prozent übersteigen.

3. Belegschaftsrabatte: Wahlrecht möglich

Überlassen Sie Ihren Mitarbeitern verbilligt oder unentgeltlich Sachbezüge, fallen für diese Vorteile grundsätzlich Steuern und Sozialversicherungsbeiträge an. Handelt es sich um Waren und Dienstleistungen, die Sie auch Ihren Kunden anbieten, gibt es bei Ermittlung des zu versteuernden geldwerten Vorteils jedoch eine Vergünstigung, vielleicht bald sogar wahlweise eine zweite Vergünstigung.

Belegschaftsrabatt: Das Finanzamt bewertet den Vorteil aus einer unentgeltlichen oder verbilligten Überlassung von Waren und Dienstleistungen durch einen Abzug von vier Prozent auf den Verkaufspreis abzüglich eines Rabattfreibetrags von 1.080 Euro (§ 8 Abs. 3 EStG).

Marktpreis: Eine zweite Alternative findet sich in § 8 Abs. 2 EStG. Der Sachbezug wird danach mit dem marktüblichen Preis bei Ermittlung der Lohnsteuer bewertet. Nachdem der Bundesfinanzhof diese zweite Option bereits erlaubte (BFH, Az. VI R 41/02), blockte die Finanzverwaltung diesen Weg mit einem Nichtanwendungserlass ab (BMF, Az. IV C 5 – S 2334/07/001). Doch es läuft bereits ein neuer Musterprozess beim Bundesfinanzhof, der für Klarheit sorgen soll (Az. VI R 30/09).

 

Beispiel: Sie überlassen einem Mitarbeiter Waren im Wert von 10.000 Euro unentgeltlich. Ein fremder neuer Kunde hätte nach Abzug eines Neukundenrabatts 8.000 Euro zahlen müssen. Für die Ermittlung der Lohnsteuer kommen folgende Berechnungen in Frage:

 

 

So rechnet das Finanzamt

So rechnen Sie

Verkaufspreis

10.000 Euro

10.000 Euro

abzgl. Bewertungsabschlag von vier Prozent

- 400 Euro

0 Euro

abzgl. Rabattfreibetrag

- 1.080 Euro

0 Euro

abzgl. üblicher Preisnachlass

0 Euro

- 2.000 Euro

Zu versteuernder geldwerter Vorteil

8.520 Euro

8.000 Euro

Pauschalsteuer nach § 37b EStG zulässig?

nein

Ja

ProFirma rät: Lehnt das Finanzamt Ihre Ermittlung der Lohnsteuer ab, wehren Sie sich mit einem Einspruch und beantragen bis zur endgültigen Entscheidung ein Ruhen des Verfahrens.

 

 

Schlagworte zum Thema:  Steuervergünstigung, Finanzamt, Mitarbeiter

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