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| DIW-Zahlen

Über den Mindestlohn können viele Selbstständige nur Lachen

Viele Solo-Selbstständige verdienen unter dem Mindestlohn.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Ein Mindestlohn von 8,50 Euro brutto in der Stunde - das hätten viele Selbstständige selbst gerne. Vor allem viele Solo-Selbstständige, so eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, liegen mit ihrem Verdienst unter dieser Grenze.

Mehr als eine Million Selbstständige in Deutschland erwirtschaften einem Bericht zufolge einen Stundenlohn unterhalb des geplanten gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro. Das berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). "Insgesamt hat ein Viertel aller Selbstständigen einen Verdienst von weniger als 8,50 brutto die Stunde", sagte DIW-Experte Karl Brenke.

Chef und Mitarbeiter unter dem Mindestlohn

Den DIW-Zahlen zufolge verdienten rund 770.000 der 2,5 Millionen Solo-Selbstständigen 2012 weniger als 8,50 Euro pro Stunde - fast ein Drittel. Daneben gebe es 330.000 Selbstständige, die sogar Mitarbeiter beschäftigten, deren Einkommen aber ebenfalls unter dem von der schwarz-roten Koalition vereinbarten Mindestlohnniveau von 8,50 Euro liege. Bei den Berechnungen sind die Wissenschaftler darauf angewiesen, dass Selbstständige korrekte Angaben zu ihrer Wochenarbeitszeit machen. Zudem genießen geringverdienende Selbstständige auch einige Vorteile. Sie können etwa betrieblich genutzte Immobilien und Autos zusätzlich privat nutzen und so Ausgaben sparen.

Statistisches Bundesamt bestätigt den Trend

Doch auch Berechnungen des Statistischen Bundesamts für das Blatt belegten die generelle Tendenz: "Insgesamt zeigen sich für Selbstständige -  insbesondere in Kleinunternehmen - häufiger geringe Stundenlöhne als für abhängig Beschäftigte", schreiben die Statistiker dem Bericht zufolge. In Deutschland gibt es 4,4 Millionen Selbstständige.  Unterdessen sieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) im vereinbarten Mindestlohn eine Gefahr für diejenigen, die davon eigentlich profitieren sollen. "Für junge Leute aus bildungsfernen Schichten setzt er falsche Anreize", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Wenn die Betroffenen vor der Wahl stünden, für 700 Euro in eine Ausbildung mit Perspektive zu gehen oder für 1.400 Euro in einen kurzfristig besser bezahlten Mindestlohn-Job, würden sich vermutlich viele gegen die duale Ausbildung entscheiden.

DIHK sieht Gefahr für Geringqualifizierte

Schon heute hätten 1,5 Millionen junge Menschen zwischen 25 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss. "Wenn die Konjunktur runtergeht, werden diejenigen als erstes ohne Job dastehen, die keine Ausbildung haben, und sie werden so schnell auch keinen neuen finden", sagte Schweitzer. Der Mindestlohn werde "diesen Teufelskreis verschärfen".  Zum 1. Januar 2015 soll ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro brutto pro Stunde kommen. Tarifvertraglich vereinbarte Abweichungen sollen aber bis Ende 2016 noch möglich sein.

dpa/Haufe Online Redaktion

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW, Mindestlohn, Selbständigkeit

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