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Ausländerämter sollen "Willkommensbehörden" werden

Zuwanderer sollen willkommen geheißen werden.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die bloße Rhetorik wird wohl nicht reichen. Zehn Ausländerämter in Deutschland sollen in einem zweijährigen Pilotprojekt zu "Willkommensbehörden" für Zuwanderer umgestaltet und sozusagen zur "Rezeption" des Landes" werden.

Ausländerbehörden in Mainz und neun weiteren Orten erproben derzeit, wie Zuwanderer freundlicher empfangen werden können. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des wachsenden Fachkräftemangels müssten die Ausländerämter zu "Willkommensbehörden" werden, sagte der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Manfred Schmidt, in Nürnberg. Im Rahmen eines zweijährigen Pilotprojekts sollen die Abläufe in den Behörden kundenfreundlicher gestaltet werden. Die Ergebnisse des Projektes sollen allen 549 bundesdeutschen Einwanderungsbehörden helfen.

Ziel ist die Einbürgerung

Die Ausländerbehörden seien die "Rezeption des Landes", sagte Bülent Arslan, Projektleiter und Geschäftsführer vom Institut für interkulturelle Management- und Politikberatung. Hier bekämen die Zuwanderer ihren ersten Eindruck von Deutschland. In dem seit einem halben Jahr laufenden Projekt werden beispielsweise die Mitarbeiter stärker geschult und für die Lage der Migranten sensibilisiert. Ziel ihrer Arbeit soll verstärkt die Einbürgerung werden. Einige Ämter haben ihre Organisation verändert, indem sie nun Termine vergeben und so die Wartezeiten verkürzen. Und manchmal hilft schon ein Umzug in hellere, schönere Räume. Außerdem soll die Zusammenarbeit mit anderen Behörden - etwa Jobcentern - verstärkt werden.

Veränderungen fangen im Kopf an

Es sei nicht immer leicht, eine "Willkommensbehörde" zu sein, sagte der Leiter des Mainzer Bürgeramtes, Dieter Hanspach. Es gebe durchaus auch unangenehme Aufgaben wie etwa Abschiebungen. Er berichtete, dass die Veränderung oft an einzelnen Mitarbeitern hängt. "Wir hatten einen Sachbearbeiter in der Abschiebeabteilung, der war ein ziemlicher Betonkopf, dem auch ein gewisser Ruf vorauseilte." Man habe mit Engelszungen auf ihn eingeredet, aber er habe seine Arbeit nicht verändert. Dann habe man ihm eine neue, junge Kollegin zur Seite gestellt, die "charmanter und sozialer" mit den Zuwanderern umging. "Seitdem sieht man, wie der Betonkopf bröckelt. Er hat sich dann eine akzeptablere Art angewöhnt." An dem Projekt beteiligt ist in Bayern die Ausländerbehörde in Deggendorf, in den anderen Bundesländern sind dabei die Behörden in Bietigheim-Bissingen, Potsdam, Essen, Chemnitz, Magdeburg, Kiel, Weimar und im Wetteraukreis (Hessen).

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dpa/Haufe Online Redaktion

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