| Fachkräftemangel

Zeitarbeitsfirmen rekrutieren zunehmend im Ausland

Auch die Zeitarbeitsfirmen rekrutieren im Ausland.
Bild: Michael Bamberger

Der Wettbewerb um die besten Köpfe hat auch die Zeitarbeitsbranche erreicht. Um ihren Personalbedarf zu decken, beginnt sie zunehmend, Fachkräfte auch im Ausland anzuwerben.

Zeitarbeitsfirmen setzen angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels zunehmend auf die Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer. Gute Erfahrungen hätten Firmen bereits mit polnischen Fachkräften gemacht, auch in Italien und Griechenland gebe es erste Anwerbeaktionen von Zeitarbeitsunternehmen, berichtete die Vizepräsidentin des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP), Ingrid Hofmann, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Ein Anreiz für Ausländer, als Zeitarbeiter nach Deutschland zu kommen, sei etwa der Einsatz in einem renommierten deutschen Unternehmen.

Deutschkenntnisse als Voraussetzung 

Gesucht würden in diesen Ländern etwa Ingenieure, Architekten und Bauzeichner. Das Problem bei der Anwerbung für den Einsatz bei Entleihunternehmen in Deutschland seien allerdings häufig die geringen Deutschkenntnisse der Bewerber. "Gute Deutschkenntnisse sind Voraussetzung für einen Einsatz als Zeitarbeitskraft in deutschen Unternehmen", unterstrich Hofmann. In diesem Punkt sieht sie auch die Zeitarbeitsunternehmen gefordert; sie müssten die angeworbenen Arbeitskräfte beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen.

Zeitarbeitsfirmen können Stellen nicht besetzen 

Der drohende Mangel an qualifizierten Kräften stelle auch für die Zeitarbeitsbranche eine wachsende Herausforderung dar. Schon jetzt könnten Zeitarbeitsunternehmen häufiger offene Stellen nicht besetzen, weil passendes oder qualifiziertes Personal fehle. Das Problem für die Branche sei auch, dass manche Firmen die Zeitarbeit zur Rekrutierung qualifizierter Leihbeschäftigter nutzten - und nach ein paar Wochen Einsatz diese in ihre Stammbelegschaft holten, erklärte Hofmann, die in Nürnberg ein Zeitarbeitsunternehmen mit 19.900 Beschäftigten und einem Umsatz von 569 Millionen Euro betreibt.

Ergänzungszuschläge "richtige Richtung" 

Auch vor diesem Hintergrund gingen die bislang für neun Branchen ausgehandelten sogenannten Ergänzungszuschläge für Zeitarbeiter "in die richtige Richtung". Die Berechnung der Zuschläge sei zwar für die Unternehmen mit Bürokratie verbunden. "Aber die Zuschläge machen uns marktfähig, um auch künftig die besten Kräfte gewinnen zu können", sagte die BAP-Vizepräsidentin. Zugleich trage die Regelung dazu bei, das Image der Zeitarbeitsbranche zu verbessern. Die Regelung sieht etwa in der Metallindustrie je nach Dauer des Einsatzes Zuschläge bis zu 50 Prozent des Zeitarbeitertarifs vor.

Probleme für Geringqualifizierte 

Zugleich setze die bessere Bezahlung die entliehenen Beschäftigten unter Druck, gibt Hofmann zu bedenken. Manche Unternehmen legten inzwischen höhere Maßstäbe an deren Arbeitsleistung an. Leidtragende könnten künftig weniger leistungsfähige Zeitarbeiter sein. Auch stelle sich die Frage, ob sich die Zuschläge als Nachteil für geringer Qualifizierte erweisen könnten. "Mit den Zuschlägen ist der Einsatz von geringer Qualifizierten teurer geworden", sagte Hofmann.

Schlagworte zum Thema:  Zeitarbeit, Leiharbeit, Rekrutierung, Fachkräftemangel

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