03.11.2015 | Zeitarbeit

Diese Rechte haben Leiharbeiter im Betrieb

Zeitarbeiter dürfen den Betriebsrat mitwählen.
Bild: Michael Bamberger

Verdienen Leiharbeiter eigentlich das Gleiche wie Festangestellte? Und wie steht's mit Betriebsversammlungen? Im Dreiecksverhältnis zwischen Leiharbeiter, Verleiher und Entleiher ist oft unklar, welche Rechte die Beschäftigten haben. Dabei gibt es klare Regeln.

Zeitarbeit boomt. Den Unternehmen bringt die flexible Beschäftigung viele Vorteile. Sie können ihren Personalbedarf schnell an die Auftragslage anpassen. Für die Leiharbeitnehmer sieht es in der Regel weniger rosig aus. "Ob Lohn, Zufriedenheit, Beschäftigungssicherheit oder -dauer: Leiharbeiter schneiden in all diesen Bereichen schlechter ab als andere Arbeitnehmer", kritisiert Toralf Pusch von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Wolfram Linke sieht flexible Beschäftigung hingegen als Chance - gerade für Menschen, die in der freien Wirtschaft keinen Job finden. Der Sprecher des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) glaubt, dass Arbeitnehmer die Zeitarbeit als Sprungbrett nutzen und sich in verschiedenen Bereichen ausprobieren können. "Da werden Naturtalente entdeckt und können dann Karriere machen." Die Zeitarbeit sei eine Art vorgeschaltete Probezeit und kann zu einer Festanstellung führen - das nennt sich Klebeeffekt. Einigen Studien zufolge bleiben zwischen 7 und 14 Prozent der Leiharbeiter kleben, die Branche selbst geht von rund 30 Prozent aus.

Leiharbeiter haben 43% niedrigeres Einkommen

Für Pusch von der Hans-Böckler-Stiftung verschafft Leiharbeit etwa Hartz-IV-Empfängern eine verbesserte Position. Die Branche hat allerdings eine hohe Fluktuation. Die große Arbeitsplatzunsicherheit stresst und kann sich auf die Gesundheit auswirken. Gerade beim Lohn müssen Leiharbeiter Abstriche machen. Durchschnittlich war ihr Gehalt im Jahr 2013 um 43 Prozent niedriger als das anderer sozialversicherungspflichtig Beschäftigter. Dabei gilt eigentlich das Prinzip: gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. In der Praxis sieht das allerdings oft anders aus. Denn sobald ein wirksamer und einschlägiger Tarifvertrag vorliegt, gilt das, was darin vereinbart wurde. Diese Regelung nennt sich Tariföffnungsklausel. "Würde keine Gewerkschaft einen Tarifvertrag mit den Zeitarbeitsfirmen abschließen, würden Leiharbeiter das gleiche Gehalt bekommen wie Stammmitarbeiter", erklärt Harald Klinke vom Verband deutscher Arbeitsrechtsanwälte. Die Gehälter in den Tarifverträgen sind in der Regel niedriger. "Die beste Regelung für Leiharbeiter steht im Gesetz - nicht in den Tarifverträgen." Wer also das Glück hat, bei einer Zeitarbeitsfirma ohne Tarifvertrag angestellt zu sein, kann den gleichen Lohn wie seine Kollegen im Entleihunternehmen verlangen. "Das ist aber oftmals schwer, weil man ja gar nicht weiß, was die bekommen", sagt der Arbeitsrechtler Matthias Reichwald. Wer vermutet, dass sie mehr Gehalt bekommen, dem hilft das Gesetz. Es gibt einen Auskunftsanspruch - der Arbeitnehmer hat ein Recht darauf, das Gehaltsniveau im Entleihunternehmen zu kennen. "Das sollte man notfalls einklagen", rät Reichwald.

Schlagworte zum Thema:  Zeitarbeit, Leiharbeit

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