| Wirtschaft warnt

Fachkräftemangel durch Rente mit 63

Die Metallarbeitgeber fürchten einen kompletten Jahrgang durch die Rente mit 63 zu verlieren.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Metallarbeitgeber im Südwesten haben die vor einem Jahr eingeführte Rente mit 63 als "teures Wahlgeschenk" von Union und SPD kritisiert. Die abschlagsfreie Rente treibe die Kosten der Rentenversicherung in die Höhe, bei zeitgleich sinkenden Sozialbeiträgen sowie Steuereinnahmen, so der Verband Südwestmetall.

Bei regionalen Umfragen unter Südwestmetall-Mitgliedern hätten gut zwei Drittel der Betriebe von negativen Auswirkungen, also dem vorzeitigen Abgang von Fachkräften, berichtet, immerhin zehn Prozent von starken negativen Effekten. "Wenn bei einem Mittelständler in einem einzelnen Bereich zwei langjährig beschäftigte Fachkräfte plötzlich und unvorhergesehen in Rente gehen, kann das ein solches Unternehmen vor schier unlösbare Probleme stellen", heißt es weiter. Auch die Industrie- und Handelskammern klagen über volkswirtschaftliche Schäden durch die Rente mit 63 und appellieren an Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD): "Der Ministerin ist dringend anzuraten, ihre kontraproduktiven Initiativen einzustellen und besser darüber nachzudenken, welche Anreize geschaffen werden können, damit das Arbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus für Fachkräfte attraktiver wird", mahnte der Präsident des Baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertags, Peter Kulitz.

Ministerin: Lebensleistung Rechnung tragen

Im Südwesten haben nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung bis Ende Mai 17.782 Anträge auf die abschlagsfreie Rente vor dem 65. Lebensjahr gestellt. Hinzu kommen Anträge, die über DRV Bund und die Knappschaft Bahn-See gestellt werden. Eine genaue Zahl für Baden-Württemberg liegt der Deutschen Rentenversicherung über diese Anträge nicht vor. Einer Faustregel zufolge sind es aber noch einmal so viele. Bundesweit waren bis Ende April rund 300.000 Anträge auf Rente mit 63 gestellt worden. Im Vergleich zum Kalenderjahr 2013 sei festzustellen, dass die zusätzlichen Anträge auf die abschlagsfreie Rente ab 63 durch einen Rückgang anderer vorgezogener Altersrenten zum Beispiel wegen Altersteilzeit nur teilweise ausgeglichen würden. Im Jahr 2014 hätten 11 450 zusätzlichen Anträgen für die Rente mit 63 einem Rückgang von 5 467 der sonstigen vorzeitigen Altersrenten entgegen gestanden. Die baden-württembergische Arbeits- und Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) nannte die Rente mit 63 eine "Frage der Gerechtigkeit". Diejenigen, die nach 45 Beitragsjahren überhaupt Anspruch auf die vorzeitige Rente hätten, hätten "die Grundlage für den heutigen Wohlstand unseres Landes gelegt", so Altpeter. "Mit der Rente ab 63 wird ihrer Lebensleistung Rechnung getragen."

Arbeitgeber: Vollständiger Jahrgang geht verloren

Trotzdem sind nach Einschätzung der Metallarbeitgeber gerade diese Arbeitskräfte unverzichtbar. Zur Deckung des Fachkräftebedarfs werde die Metall- und Elektroindustrie die Beschäftigung älterer Mitarbeiter noch mehr ausweiten müssen. Der Anstieg der über 60 Jahre alten Mitarbeiter in der Metallindustrie werde durch die Rente mit 63 aber gebremst. Sie konterkariere damit die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre, kritisiert Südwestmetall. Die Metaller befürchten auch, dass die Rente ab 63 kumulativ wirkt. "Am Ende wird dieses unsinnige Rentengeschenk zur Folge haben, dass der Metall-und Elektroindustrie ein vollständiger Jahrgang durch vorzeitige Rente verloren gegangen sein wird."

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