10.11.2015 | Nach Verbandsanhörung

Weiter Streit um das Schulfach "Wirtschaft"

Ökonomische Kompetenz soll bereits in der Schule vermittelt werden.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Schon vor 15 Jahren setzten sich Wirtschaftsverbände für ein Fach Wirtschaft an den Schulen ein. Jetzt rückt die Erfüllung des Wunsches in greifbare Nähe - gegen alle Widerstände.

Die Kontroverse um das eigenständige Schulfach Wirtschaft geht auch nach der Verbandsanhörung zum neuen Bildungsplan weiter. Nach Kritik am neuen eigenständigen Schulfach Wirtschaft von Lehrer-, Eltern- und Gewerkschaftsvertretern brechen die Arbeitgeber Baden-Württemberg eine Lanze für die Pläne. "Der Bildungsplan für dieses Fach sichert erstmals eine breite sozioökonomische Grundbildung nach verbindlichen Standards und verhindert die bisher vorherrschende Beliebigkeit, wie ökonomische Inhalte vermittelt werden sollen", sagte der Bildungsexperte des Arbeitgeberverbands Stefan Küpper in Stuttgart nach der Verbandsanhörung zum neuen Bildungsplan. Auch der Realschullehrerverband plädiert für ein eigenständiges Fach Wirtschaft.

Kritik an mangelnder Einbettung des Fachs

Vorgesehen ist, das Fach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung zum Schuljahr 2016/17 in Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen zwischen Klasse 7 und 10, im Gymnasium zwischen Klasse 8 und 10 einzuführen. Bis Ende vergangener Woche konnten Verbände und Privatpersonen auch über das Internet Rückmeldungen zum geplanten Bildungsplan an das Kultusministerium geben. Kritiker beklagen allerdings, dass das Thema nicht in gesellschaftliche und soziale Zusammenhänge eingebettet werde, wie das bislang im Gemeinschaftskunde-Unterricht geschehen sei. "Wir wollen nicht, dass es als isoliertes Fach rüberkommt", hatte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz, im Laufe der Anhörung gesagt. Auch die Gewerkschaft Verdi lehnt das Fach ab und kritisierte: "Im Unterricht löst die ökonomische Perspektive gleichzeitig die bisherige sozio-ökonomische Perspektive ab." IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger sieht die Einführung weniger kritisch: "Es ist gut, dass nicht mehr dem Zufall überlassen wird, welche Rolle Wirtschaft spielt", sagte er. Die Frage sei nun, wie das praktisch umgesetzt werde. "Ein wichtiger Begleitschritt ist der vereinbarte "Code of Conduct", dass Material von Verbänden aber auch Gewerkschaften eindeutig gekennzeichnet wird."

Anhörungsergebnisse werden im Frühjahr veröffentlicht

Arbeitgeber-Vertreter Küpper konterte: "Es ist wenig glaubwürdig, wenn einerseits immer wieder betont wird, wie bedeutend Fachlichkeit ist, andererseits diese aber beim Fach Wirtschaft negiert und auf verschwommene Pseudoinhalte in anderen Fächern verwiesen wird." Er begrüßte auch die Verankerung der Berufsorientierung in einer Leitperspektive. Der Dachorganisation gehören 42 Mitgliedsverbände aller wichtigen Wirtschaftszweige im Land an. Der Realschullehrerverband glaubt, dass das neue Fach den Schülern die berufliche Orientierung erleichtern wird. Zudem könnten die Mädchen und Jungen wichtige Qualifikationen für die spätere Berufsausbildung erwerben. Die Beteiligung aller relevanten Gruppen an der Erstellung des neuen Bildungsplanes bezeichneten die Arbeitgeber als vorbildlich. "Von einer einseitigen Einflussnahme, wie sie von den ebenso beteiligten Gewerkschaften behauptet wird, kann also keine Rede sein." Im Frühjahr 2016 sollen nach Angaben des  Kultusministeriums die wesentlichen Ergebnisse der Anhörung im Internet präsentiert werden.

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Schlagworte zum Thema:  Allgemeinbildende Schule, Wirtschaft, Bildung

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