08.08.2016 | Integration

Wanka fordert mehr Engagement bei der Flüchtlingsausbildung

Zentralverband des Handwerks und der Bund haben gemeinsam ein Programm für 10.000 Lehrstellen für Flüchtlinge aufgelegt.
Bild: Haufe Online Redaktion

Zehntausende junge Geflüchtete sollen mit einer Berufsausbildung für den deutschen Arbeitsmarkt fit gemacht werden. Die Bildungsministerin freut sich, dass im Handwerk schon einiges passiert. Wanka spricht aber auch Probleme in der Wirtschaft an.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka verlangt von der Wirtschaft mehr Engagement bei der beruflichen Bildung von Flüchtlingen. "Wir wollen, dass diese jungen Menschen in eine berufliche Ausbildung kommen. Das ist für den Einzelnen wichtig und auch für die Volkswirtschaft", sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Aber da ist noch viel zu tun in der deutschen Wirtschaft nach den anfänglichen Erwartungen und vollmundigen Ankündigungen." Wanka betonte zugleich: "Mit dem Handwerk klappt das schon gut." Sie verwies darauf, dass dessen Zentralverband und der Bund gemeinsam ein Programm für 10.000 Lehrstellen aufgelegt hätten. "Dafür kommen auch Anträge von Kammern aus Regionen, die ansonsten Probleme bei der Gewinnung von Lehrlingen haben. Das ist genau der gewünschte Effekt."

6.000 Plätze in überbetrieblichen Bildungsstätten

Anfang Februar hatten die Ministerin, die Bundesagentur für Arbeit (BA) und der Zentralverband des Handwerks das Qualifizierungsprogramm vorgestellt, für das die Regierung in den nächsten beiden Jahren 20 Millionen Euro ausgeben will. Wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf das Ministerium berichteten, haben Handwerksbetriebe und BA inzwischen gut 6.000 Plätze für Flüchtlinge in überbetrieblichen Bildungsstätten bereitgestellt. Wanka hält Konzernen und Industrie nicht zum ersten Mal mangelnden Einsatz für die berufliche Qualifizierung junger Flüchtlinge und Fehleinschätzungen vor. Ende Juli sagte die Ministerin, sie habe sich über "die Blauäugigkeit mancher Wirtschaftsbosse geärgert" - denn diese hätten so getan, als würden Flüchtlinge die demografischen Probleme und den Fachkräftemangel in Deutschland lösen.

KMU finden individuelle Lösungen

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) verwies auf ein vielfältiges Engagement der Unternehmen im Anfang 2016 gestarteten Aktionsprogramm "Ankommen in Deutschland - Gemeinsam unterstützen wir Integration". DIHK-Ausbildungsexpertin Esther Hartwich sagte: "Gerade kleine und mittelständische Betriebe gehen die Integration kreativ an und finden oft individuelle Lösungen. Der Weg in Ausbildung braucht allerdings Zeit." Im Durchschnitt seien junge Flüchtlinge laut DIHK-Umfrage rund 22 Monate in Deutschland, bevor sie eine Ausbildung beginnen. "Das liegt vor allem an den fehlenden Sprachkenntnissen und langen Asylverfahren." Zusammen mit dem Bundeswirtschaftsministerium biete der Dachverband Firmen die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und praxisnahe Unterstützung bei der Integration. "Es gibt schon über 800 beteiligte Unternehmen", so Hartwich.

Rund ein Viertel hat keine oder kaum Schulbildung

Wanka sagte der dpa, es gebe derzeit noch "kein verlässliches Zahlenbild" zu den Qualifikationen der 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge. "Nach den Selbstauskünften ist es wohl so, dass 25 Prozent der Asylantragsteller keinen Schulbesuch absolviert haben oder nur die Grundschule." Wie Wanka sieht auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) noch Defizite bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. "Betriebe dürfen nicht warten, bis sie passgenau einsetzbare Geflüchtete vermittelt bekommen. Sie müssen mehr tun, um Geflüchteten eine Chance für den Einstieg zu geben", sagte Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach den Funke-Zeitungen.

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Schlagworte zum Thema:  Flüchtlinge, Ausbildung, Berufliche Ausbildung, Betriebliche Ausbildung

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