19.09.2011 | Recht & Personal

Studie: Schlechte Ausbildung trotz Fachkräftemangel

Für den Ausbildungsreport des deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) wurden 9.325 Azubis zu ihrer Ausbildung befragt. Dabei ging es hauptsächlich um Arbeitszeiten, Vergütung und fachliche Betreuung.

Angesichts der Debatte um mangelnde Bewerberzahlen wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass die Qualität der Ausbildungen nach oben geht. Das war aber nicht der Fall:  Lediglich angehende Bank- und Industriekaufleute, sowie Mechatroniker beurteilten ihre Ausbildung als gut.

Arbeitszeit

Am schlechtesten schnitten Ausbildungen im Gastgewerbe und Lebensmittelhandel ab. Dort müssen zwei Drittel der Auszubildenden regelmäßig zwischen 8 und 9 Überstunden pro Woche machen. Der Anteil an Azubis mit Überstunden liegt inzwischen bei 40,6 %. Jeder fünfte Befragte gab sogar an, dass er seine Überstunden weder jemals bezahlt bekomme, noch dafür Urlaub nehmen dürfe.

Laut Jugendschutzgesetz dürfen Auszubildende keine Mehrarbeit leisten. Arbeitgeber aus dem Gastronomiegewerbe forderten vergangenes Jahr sogar eine Aufweichung des Jungendarbeitschutzgesetzes. Damit wollen sie erreichen, dass junge Menschen auch noch bis spät in die Nacht für sie arbeiten dürfen.

Persönliche und fachliche Betreuung

Im Betrieb herrscht ein rauer, unfreundlicher Umgangston und es mangelt an fachlicher Betreuung. Immerhin haben 8,7% keinen Ausbilder an ihrer Ausbildungsstelle. Fast jeder Dritte (28,5%) muss ausbildungsfremde Tätigkeiten während seiner Arbeitszeit erledigen . Dies gilt vor allem in Kleinbetrieben, wo es an Personal mangelt. Ca. jeder zweite Befragte (45,4%) fühlt sich in seinem Betrieb ungerecht behandelt.

Vergütung 

2,6% der Auszubildenden geben an, dass ihre vertraglich festgelegte Vergütung zu spät gezahlt, oder sogar ganz ausbleiben würde. Für diejenigen, die Rechnungen bezahlen und ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, kann dies fatale Folgen haben. Nur 88,6% der Befragten können bestätigen, dass ihre Lohnabrechnungen immer korrekt waren.

Generell haben viele Auszubildende das Gefühl als billige Arbeitskräfte ausgenutzt zu werden.

Ungewissheit für die Zukunft 

Bei der Befragung wussten zwei von drei Auszubildenden noch nicht, ob ihr Betrieb sie nach Abschluss der Ausbildung übernehmen wird. Aus Angst nach der Ausbildung nicht fest angestellt zu werden ,  fällt die Gegenwehr gegen die teilweise schlechte Behandlung in ihren Betrieben seitens der Auszubildenden meistens eher schwach aus. 

Hilfe für die Auszubildenden

Der DGB fordert die Gewerkschaften auf, Beschwerden von ihren Azubis ernst zu nehmen .  

Durch unangemeldete Betriebsbesuche will der DGB sicherstellen, dass die Vorschriften eingehalten werden und mehr auf die Auszubildenden und ihre Forderungen eingegangen wird.

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