27.09.2013 | Studie

DIW rät vom gesetzlichen Mindestlohn ab

Der Mindestlohn ist laut DIW keine Lösung.
Bild: Michael Bamberger

Das Berliner DIW sieht einen gesetzlichen Mindestlohn skeptisch. Er könne viele Erwartungen nicht erfüllen, die die Befürworter hegten. Zumindest müsse er niedriger als mit 8,50 Euro angesetzt werden. Kritik kommt vom DGB.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rät von einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro ab. Diese von SPD und Grünen angestrebte Höhe des Bruttostundenlohns könnte Arbeitsplätze gefährden, sagte DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke in Berlin. Ein bundesweit einheitlicher Mindestlohn sei zwar geeignet, Lohnunterschiede zu verringern. Er sei aber kaum in der Lage, Armut in Deutschland abzubauen, weil die betroffenen Haushalte trotz Mindestlohn netto oft nicht mehr in der Tasche hätten. Auch die Zahl der "Aufstocker", die außer ihrem Arbeitseinkommen die Sozialleistung Hartz IV vom Staat bekommen, werde nicht wesentlich kleiner. Schließlich sei kein spürbarer Kaufkraftschub zu erwarten.

5,6 Millionen Menschen würden mehr Lohn bekommen 

Die DIW-Studie, die sich auf nationale und internationale Forschungsergebnisse stützt, gebe unterm Strich weder Befürwortern noch Gegnern eindeutig Recht. Sie zeige aber, dass der Mindestlohn viele der in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen könne, betonte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warf dem DIW ideologische Vorbehalte vor. Die These von Jobverlusten sei in europäischen Nachbarländern längst widerlegt worden. Bei Einführung eines Mindestlohns von 8,50 Euro erhielten nach Berechnung des DIW 5,6 Millionen Menschen eine Lohnerhöhung, das wären 17 Prozent aller abhängig Beschäftigten. Dabei gäbe es einen großen Unterschied zwischen Ost und West. In den alten Bundesländern käme die Regelung 15 Prozent der Arbeitnehmer zugute, in Ostdeutschland mehr als 25 Prozent. Höhere Löhne am unteren Rand seien vor allem in den Branchen Landwirtschaft, Einzelhandel, Gastronomie, Gesundheitspflege und Gebäudereinigung zu erwarten.

Differenzierung nach Alter, Qualifikation und Region 

Für Brenke wäre die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns ein «Feldexperiment», bei dem man vorsichtig agieren sollte. "Ein Mindestlohn von 8,50 Euro wäre schon eine zu starke Dosis." Man sollte eher mit sieben Euro beginnen und, sofern es damit keine Probleme gebe, den Mindestlohn langsam anheben. Brenke plädierte zugleich für eine Differenzierung etwa nach Alter, Qualifizierung oder Region. Dafür gebe es in anderen Ländern Vorbilder. Mitautor Kai-Uwe Müller sagte, die meisten Aufstocker arbeiteten nicht die volle Stundenzahl. Ihr Lohneinkommen werde mit den Sozialleistungen verrechnet. "Ein höherer Lohn wird an ihrer Lage nichts ändern. Diese Aufstocker haben kein Einkommen- sondern ein Unterbeschäftigungsproblem."

Schlagworte zum Thema:  Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW, Mindestlohn, Studie

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