Die Bundesregierung will das deutsche Erfolgsmodell der dualen Ausbildung zum Exportschlager machen, um inner- und außerhalb Europas die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu verringern.

Ziel sei aber auch, den Fachkräftebedarf deutscher Unternehmen im Ausland besser decken zu können, hieß es bei einer Konferenz im Bildungsministerium. Die Strategie, Aktivitäten von vier Ressorts zur internationalen beruflichen Bildung zu verzahnen, habe sich bewährt. Nach Angaben der Kultusministerkonferenz (KMK) wählt in Deutschland gut die Hälfte jedes Jahrgangs die duale Ausbildung als Einstieg in den Beruf. Die Jugendlichen werden wöchentlich an drei bis vier Tagen im Betrieb und an bis zu zwei Tagen in der Berufsschule ausgebildet.

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Viele Länder wollen das duale System einführen

Die im europäischen Vergleich niedrige Jugendarbeitslosigkeit gilt als Erfolgsbeleg. Deutschland verzeichnete zuletzt mit 6,5 Prozent den EU-Tiefstwert, die höchsten Quoten wurden in Griechenland (45 Prozent), Spanien (42 Prozent) und Italien (38 Prozent) registriert. Das Interesse am dualen Ausbildungssystem sei ungebrochen, viele Länder arbeiteten an der Einführung, hieß es vom Bildungsministerium (BMBF). Beim ersten Besuch von Kanzlerin Angela Merkel bei Donald Trump hatte auch der neue US-Präsident großes Interesse am Modell einer zweigliedrigen Lehrzeit gezeigt.

Systemreformen in Partnerländern brauchen Zeit

Kooperationsländer des BMBF in Europa sind bisher Griechenland, Italien, Lettland, Portugal und Slowakei, im außereuropäischen Raum neben den USA noch Brasilien, China, Costa Rica, Ecuador, Indien, Mexiko, Russland, Südafrika, Südkorea, Thailand und die Türkei. In allen Kooperationen von Auswärtigem Amt, Wirtschafts-,Entwicklungs- und Bildungsministerium sei aber auch klar geworden, dass die Systemreformen in den Partnerländern Zeit brauchten. Denn es müssten "nicht nur gesetzliche Änderungen vorgenommen werden, sondern neue Kooperationskulturen mit Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer entstehen".

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Konkurrenz mit der Hochschulbildung

Die Einbeziehung der Unternehmen und Sozialpartner in die Berufsbildung sei oft "noch unzureichend, da Betriebe, Kammern oder Gewerkschaften traditionell nicht an der Qualifizierung junger Leute beteiligt sind". In vielen Partnerländern sei "das Image der Berufsbildung nicht gut und konkurriert häufig mit der Hochschulbildung", hieß es bei der Konferenz. "Auch wenn politische Akteure die duale Ausbildung bereits als gutes Modell sehen, muss bei Jugendlichen, Eltern und Arbeitgebern noch mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden."

Azubis sollen vermehrt Auslandserfahrung sammeln

Das Bildungsministerium kündigte an, die berufliche Bildung stärker mit internationalen Innovationsprojekten zu verknüpfen. Zudem wolle Deutschland die Mobilität seiner Auszubildenden erhöhen - bis 2020 sollen mindestens zehn Prozent während der Lehrzeit Auslandserfahrung sammeln können. Schließlich werde das Ministerium «den kommerziellen Export deutscher Bildungsdienstleistungen intensiver fördern». Zwar sei der deutsche Export von Berufsbildungswissen in den vergangenen Jahren schon stark gewachsen - dennoch erwarteten immer noch 70 Prozent der entsprechenden Firmen ein Wachstum ihres Exportvolumens.

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