25.07.2011 | Recht & Personal

Schwangere nicht befördert: Verstoß gegen das AGG

Wird bei einer Beförderung ein Mann gegenüber einer schwangeren Bewerberin bevorzugt, kann darin ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz liegen. Eine finanzielle Entschädigung kann die Folge sein - vor allem, wenn der Arbeitgeber gegenüber der Mitarbeiterin bei der Absage sagt, sie solle sich doch auf ihr Kind freuen.

Eine schwangere Arbeitnehmerin war als Abteilungsleiterin in einem internationalen Medienkonzern beschäftigt. Als die Stelle ihres Vorgesetzten frei wurde, bewarb sie sich darauf. Den Zuschlag für die Stelle erhielt jedoch ein männlicher Bewerber. Die Mitarbeiterin fühlte sich bei der Absage aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt und verlangte eine Entschädigung von mindestens 17.000 Euro.

 

Ablehnungsgrund: lieber sich auf ihr Kind freuen

Ihre Begründung: Sie sei aufgrund ihrer Schwangerschaft bei der Beförderung nicht berücksichtigt worden. Denn bei der Ablehnung habe man ihr seitens der Arbeitgeberin gesagt, sie solle sich auf ihr Kind freuen. Die Arbeitgeberin behauptete indes, für die getroffene Auswahl sprächen sachliche Gründe. Die Klage der Arbeitnehmerin hatte Erfolg.

 

Vermutung sprach für Diskriminierung

Das Gericht hat angenommen, bei einer Gesamtwürdigung aller Umstände spreche eine Vermutung dafür, dass die Arbeitnehmerin wegen ihrer Schwangerschaft nicht befördert worden sei. Dabei wurde u. a. berücksichtigt, dass bei der Ablehnung ihrer Bewerbung seitens der Arbeitgeberin geäußert wurde, „sie solle sich doch auf ihr Kind freuen“.

  • Zudem wurden ihr trotz Nachfrage keine konkreten Gründe für die Beförderung eines Kollegen genannt,
  • obwohl ihrer Bewerbung zuvor Chancen eingeräumt worden waren.
  • Die Vermutung konnte die Beklagte nicht widerlegen.

Es war daher von einer geschlechtsspezifischen Benachteiligung auszugehen.

(LAG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 28.6.2011, 3 Sa 917/11).

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