| Rekrutierung

Arbeitmarkt profitiert vom "War of Talents"

Viele Firmen stellen derzeit auf "Vorrat" ein.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Dem verhalten Wirtschaftswachstum zum Trotz wächst die Beschäftigung: Experten glauben, dass viele Firmen, den drohenden Fachkräftemangel vor Augen, auf "Vorrat" einstellen. Und natürlich in der Hoffung, auf einen neuen Wirtschaftsboom.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache - dabei hätten sie angesichts der flauen Konjunktur auch ganz anders aussehen können: In Deutschland entstanden 2013 trotz Nachwehen der größten Finanzkrise der vergangenen Jahrzehnte immer noch neue Jobs - wenn auch nicht mehr so viele wie in den Jahren zuvor. Allein im Jahr 2013 verzeichnete das Statistische Bundesamt 41,78 Millionen Erwerbstätige in Deutschland. Damit waren am Jahresende 2013 rund 232.000 Menschen mehr im Erwerbsleben als vor Jahresfrist. Für 2014 rechnen Arbeitsmarktforscher mit über 42 Millionen Erwerbstätigen.

Firmenchefs sorgen sich um Fachkräftemangel

Warum Unternehmen trotz des derzeit geringen Wirtschaftswachstums immer neue Mitarbeiter einstellen, hat für den Leiter des Forschungsbereichs Prognose beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Enzo Weber, gleich mehrere Gründe. "Bei vielen Unternehmern gibt es die Erwartung, dass es in Deutschland wirtschaftlich schon bald wieder gut läuft". Schließlich habe Deutschland selbst keine Schuldenkrise durchlebt.  Zudem plage inzwischen immer mehr Firmenchefs die Sorge, sie könnten von dem in den kommenden Jahren drohenden Fachkräfteengpass kalt erwischt werden - und bei plötzlich anziehender Kundennachfrage ohne die dann benötigten Ingenieure, Werkzeugmacher und IT-Fachkräfte dastehen. Zwar stellt sich die Entwicklung - auch dank der wieder gewachsenen Zahl gut ausgebildeter Zuwanderer - derzeit noch nicht allzu dramatisch dar. "In den nächsten Jahren könnten sich die bereits heute in einzelnen Bereichen bestehenden Fachkräfteengpässe weiter verschärfen", gibt Weber zu bedenken.

Qualifizierte Zuwanderer haben gute Jobchancen

Genau das sei auch der Grund, warum qualifizierte Zuwanderer auch nach dem Ende des mehrjährigen Job-Booms gute Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben, schätzt der IAB-Arbeitsmarktforscher: "Die Menschen sind da - und viele Unternehmen nutzen jetzt das Angebot an gut ausgebildeten Kräften." Dabei nähmen manche Firmen auch in Kauf, dass sie die neu eingestellten Mitarbeiter anfangs gar nicht voll auslasten könnten.  Dabei haben sich vor allem zwei Branchen im vergangenen Jahr als Jobmotoren erwiesen: Die Bauindustrie und ein Branchenkonglomerat, das Statistiker unter dem Begriff "wirtschaftsnahe Dienstleistungen" zusammenfassen. Dazu gehören neben Werbeagenturen, Rechts- und Steuerberatern beispielsweise auch Wachdienste. Nicht in allen Fällen, räumt Weber ein, handele es sich um neue Arbeitsplätze; manche seien von Firmen auch ausgelagert worden. Die Bauindustrie wiederum profitiere inzwischen immer stärker von dem Immobilien-Boom - befeuert von den derzeit niedrigen Spar- und Hypothekenzinsen.

IAB: "Es gibt tatsächlich mehr Arbeit"

Den Einwand von Arbeitsmarkt-Kritikern, bei den neu geschaffenen Stellen handele es sich zum überwiegenden Teil um geringfügige Beschäftigung, hält Weber für zu pauschal. Zwar sei die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten im Jahr 2006 auf einen Anteil von 15 Prozent oder mehr als sechs Millionen angestiegen. Bis 2012 sei der Anteil aber auf 13,4 Prozent gesunken. Für 2013 verzeichnet das IAB einen weiteren Rückgang.  Auch die Einschätzung, es gebe eigentlich keine neue Arbeit und die bestehende werde nur auf mehr Menschen verteilt, sei falsch. "Es gibt tatsächlich mehr Arbeit", macht Weber klar. Denn wurden von allen Erwerbstätigen im Jahr 2006 mehr als 55,808 Milliarden Stunden gearbeitet, so waren es im Jahr 2013 mehr als 58 Milliarden Stunden.

Forscher: Teilzeitarbeit nicht unbedingt negativ

Dennoch gebe es den Trend zur Teilzeitarbeit, räumt Weber ein. Im Jahr 2013 arbeiteten 3,048 Millionen Menschen in Teilzeit, 2006 waren es rund eine Million weniger. Der Forscher findet es aber nicht unbedingt negativ, "wenn Menschen in einem wohlhabenden Land wie Deutschland mehr Freizeit haben wollen." Aber natürlich gebe es auch viele Menschen, die unfreiwillig einem Teilzeit- oder Minijob nachgingen.

Schlagworte zum Thema:  Fachkräftemangel, Zuwanderung, Teilzeitarbeit, IAB, Rekrutierung

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