15.10.2012 | Fällt die Praxisgebühr?

Rekord-Reserve bei der gesetzlichen Krankenversicherung

Die Praxisgebühr könnte angesichts der Rekord-Reserven der Krankenversicherung bald kippen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die gesetzliche Krankenversicherung hortet immer mehr Milliarden. Nun dürfte in der Koalition der Streit um die Praxisgebühr wieder aufflammen. Am Horizont sind aber auch Finanzrisiken erkennbar.

Die Reserven in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) steuern auf einen neuen Rekord von weit über 20 Milliarden Euro zu. Hauptgrund ist die gute Konjunktur. In der Koalition flammte der Streit über eine Abschaffung der Praxisgebühr neu auf. Laut der Prognose des Schätzerkreises für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) steigen die Rücklagen des Gesundheitsfonds bis Ende 2012 von 9,5 Milliarden Euro im Vorjahr auf 12,7 Milliarden Euro. Zudem steigen die Reserven der einzelnen Krankenkassen voraussichtlich um 3,9 Milliarden Euro. Die Kassenreserven lagen im Sommer bei 12,8 Milliarden Euro. Aktuellere Zahlen gibt es nicht.

2013 Ausgabenplus von 4,6 Prozent 

Die GKV-Reserven setzen sich aus dem Polster des Fonds, der Geldsammelstelle der Kassen, und dem der einzelnen Versicherungen zusammen. Rein rechnerisch könnten sie sich zum Jahresende also auf gut 29  Milliarden Euro summieren. Im kommenden Jahr dürfte die Rücklage des Fonds laut der Schätzer noch einmal um 1,6 Milliarden Euro wachsen - auf dann 14,3 Milliarden. Wie sich die Lage der Einzelkassen entwickelt, sagten die Schätzer nicht voraus. Von Zusatzbeiträgen dürften die Patienten angesichts der rosigen Finanzlage im Großen und Ganzen verschont bleiben. Das Bild könnte sich im kommenden Jahr aber auch wieder deutlich eintrüben. "Aufgrund der unsicheren Lage des Euro-Raumes bestehen (...) erhebliche gesamtwirtschaftliche Risiken", so die Schätzer. Höhere Ausgaben für Ärzte, Arzneimittel und Kliniken dürften nach Angaben der Schätzer 2013 zu einem Ausgabenplus von 4,6 Prozent führen.

Gesundheitsminister will Praxisgebühr kippen 

Bahr dringt ebenso wie weitere FDP-Politiker gegen den Widerstand der Union nun umso stärker auf ein Abschaffung der Praxisgebühr. Die Überschüsse hätten ein Maß angenommen, das einen Verzicht auf die unsinnige Gebühr rechtfertige, sagte er in München. "Wir können uns das leisten." Ein Verzicht auf die Zehn-Euro-Gebühr pro Quartal würde zwei Milliarden Euro kosten. Die FDP werde das erneut zum Thema im Koalitionsausschuss machen. Eine Senkung der Krankenkassenbeiträge lehnte Bahr ab. Derzeit beträgt der Satz 15,5 Prozent.

Prämienausschüttungen geplant 

Mehrere Krankenkassen wollen den Versicherten die Praxisgebühr zurückzahlen oder Prämien ausschütten. So müssten bei der IKK gesund plus ab 2013 Teilnehmer an Hausarztprogrammen keine Gebühr mehr zahlen, Prämienausschüttungen seien zudem geplant. Die KKH-Allianz will die Gebühr unter der Bedingungen der Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen oder Sportprogrammen zurückzahlen. Die Techniker Krankenkasse hatte eine Prämienausschüttung angekündigt.

 

Schlagworte zum Thema:  Krankenversicherung, Gesetzliche Krankenversicherung, Praxisgebühr

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