17.06.2014 | Recruituing

Kreative Wege gegen den Fachkräftemangel

Arbeitgeber können mit Kinderbetreuungsangeboten bei Bewerbern punkten.
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Fachkräftemangel stellt die deutsche Wirtschaft vor wachsende Herausforderungen. Schon heute müssen sich vor allem kleinere Firmen in ländlichen Regionen kräftig nach der Decke strecken, um gute Leute zu bekommen. Insbesondere Ingenieure und Software-Experten, aber auch Pflege-Fachkräfte sind gesucht.

Und der demografische Wandel wird das Problem zukünftig noch deutlich verschärfen, warnen Experten. "Die Fachkräftesicherung ist das strategische Thema der Zukunft", sagt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer. Die Arbeitgeber sollten deshalb weiter an ihrer Anziehungskraft arbeiten - und dabei auch neue Ideen entwickeln. Denn mit der Fachkräftelücke wachsen auch die Ansprüche der Arbeitnehmer - und wandeln sich zugleich.

Knackpunkt Kinderbetreuung

Galt etwa lange Zeit das Gehalt als wichtigste Stellschraube, um gute Mitarbeiter für einen Job zu gewinnen, rückt inzwischen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie immer stärker in den Blick. Mit flexiblen Arbeitszeiten und der Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, können Arbeitgeber daher punkten. Hinzu kommen Angebote für die Kinderbetreuung. Zwar dürfte sich für die meisten kleineren Unternehmen eine eigene Betriebskita kaum lohnen. Doch können sie sich an Betreuungskosten beteiligen, Belegplätze in den Kitas der Umgebung bieten oder Eltern-Kind-Büros einrichten, die nicht nur mit Schreibtisch und PC, sondern auch mit Wickeltisch, Spielecke und Bettchen ausgerüstet sind und berufstätigen Eltern zur Verfügung stehen, falls die Krippe mal zu hat oder der Babysitter verhindert ist.

Weiterbildung und Auslandsaufenthalte

Solche neuen Wege geht auch die Firma Spangler aus Dietfurt in der Oberpfalz. Weil der Standort eher abgelegen und der Spezialist für Automatisierungstechnik mit 130 Beschäftigten über die Region hinaus nur wenig bekannt ist, lässt sich die Geschäftsführung einiges einfallen, um geeignetes Personal anzuziehen. Neben einer Notfall-Kinderbetreuung können die Mitarbeiter beispielsweise kostenlose Fitness-Kurse in Anspruch nehmen und in den Pausen bei einer Partie Badminton oder Tischtennis ausspannen. Auslandsaufenthalte für Azubis und Weiterbildungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter gehören ebenfalls zum Programm bei Spangler. Trotz solcher Annehmlichkeiten kann es aber bis zu einem halben Jahr dauern, bis freie Stellen neu besetzt werden können, sagt Tina Lambert, die sich bei Spangler um Themen wie Marketing, Einkauf und Strategie kümmert. Um ihre Chancen auf qualifiziertes Personal zu verbessern, hat die Firma auch über den Tellerrand hinaus geschaut: Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen zwei Ingenieure und eine Marketing-Mitarbeiterin aus Spanien. Sie bekommen nicht nur einen Sprachkurs im Haus, sondern auch Unterstützung bei Behördengängen und bei der Hausaufgabenhilfe fürs Kind.

Herausforderung Demografie

Viele andere und vor allem kleine Unternehmen auf dem Land ohne eigene Personalabteilung setzten bei der Mitarbeitersuche noch immer stark auf persönliche Kontakte nach dem Motto: "Kennst Du nicht jemanden, der Interesse an dem Job hat?", sagt Experte Alexander Kubis vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). In Zukunft dürfte es aber immer schwieriger werden, auf solch ausgetretenen Pfaden an geeignetes Personal zu kommen. "Fachkräftemangel ist eine Frage der Zukunft, vor allem der Demografie."

Jede siebte Stelle könnte unbesetzt bleiben

Wenn beispielsweise die Babyboomer-Generation der heute um die 50-Jährigen in Rente geht, müssten plötzlich viele Stellen nachbesetzt werden. Das treibt auch viele Unternehmen um: Bei einer DIHK-Umfrage warnten 38 Prozent der Mitgliedsfirmen, dass sich der Fachkräftemangel für sie zum Geschäftsrisiko auswächst, 2010 waren es gerade mal 16 Prozent, sagt DIHK-Präsident Schweitzer. "Bis 2025 fehlen bis zu sechs Millionen Arbeitskräfte - das heißt, jeder siebte Arbeitsplatz droht unbesetzt zu bleiben." Nötig sei deshalb ein Mix aus Maßnahmen: Bessere Rückkehrmöglichkeiten für Mütter in den Beruf, bessere Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmer und mehr Zuwanderung.

>> Lesen Sie auch: Wo Deutschlands Betriebe Mitarbeiter suchen

 

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Fachkräftemangel

Aktuell

Meistgelesen