27.01.2012 | Recht & Personal

Mobbing: Führungsstil spielt eine entscheidende Rolle

In Sachen Mobbing gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse. So ist Mobbing kein Einzel- sondern ein Gruppenphänomen. Außerdem könnte ein Zusammenhang mit Depressionen bestehen. Was bereits eindeutig ist: Der Führungsstil spielt eine entscheidende Rolle, ob in einer Abteilung gemobbt wird oder nicht.

Über Mobbing wird bereits seit Jahrzehnten geforscht. Wer sich damit beschäftigt, stößt immer wieder auf den Namen Leymann. Der Arbeitspsychologe hat unter anderem einen Fragebogen entwickelt, mit dem sich Mobbing erkennen lässt. Dieser nach ihm benannte LIPT-Fragebogen (Leymann Inventory of Psychic Terrorization) kam auch bei der Studie zweier Wissenschaftler der Freien Universität Berlin zum Einsatz.


Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

  • 20 Prozent der Teilnehmer sind laut LIPT-Auswertung von Mobbing betroffen.
  • Nur vier Prozent bezeichneten sich selbst als Mobbing-Opfer.
  • Die Wissenschaftler schätzen die LIPT-Methode deshalb als geeigneter ein, wenn es darum geht, Mobbing im Betrieb zu erkennen.
  • Mobbing beruht nicht allein auf der subjektiven Einschätzung einer einzelnen Person.
  • Mobbing tritt in betroffenen Abteilungen gehäuft auf. Dies lässt sich objektiv nachweisen.
  • Bei gesprächsbereiten Führungskräften tritt Mobbing seltener auf.
  • Haben Mitarbeiter bei Themen, die für sie wichtig sind, ein Mitspracherecht, ist die Arbeitszufriedenheit höher und das Mobbingrisiko geringer.

Hohe Depressionsrate bei Mobbingopfern

Mit einem Ergebnis hatten die Wissenschaftler nicht gerechnet: Die hohe Rate an Depressionserkrankungen. Sie war bei den Mobbing-Betroffenen mehr als doppelt so hoch wie bei den nicht Betroffenen. Hier bestehe Forschungsbedarf, so die Wissenschaftler. Es müsse geklärt werden, ob Mobbing eine Depression auslösen kann.

 

Den vollständigen Forschungsbericht „Die Erfassung von Mobbing - Eine Konstruktvalidierung aktueller Datenerhebungsverfahren“ können Sie bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) herunterladen.

Für die Untersuchung wurde eine Online-Befragung mit mehr als 4.300 Beschäftigten zweier Landesbehörden durchgeführt. Die Antworten wurden anschließend nach der LIPT-Methode analysiert und dann mit den Angaben verglichen, die die Teilnehmer auf die Frage, ob sie sich selbst als Mobbing-Opfer einstufen, gegeben hatten.

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