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Mittelständler unterschätzen Psycho-Druck am Arbeitsplatz

Arbeitnehmer sind in den vergangenen Jahren immer seltener wegen klassischer Erkrankungen oder Unfällen ausgefallen, sondern zunehmend aufgrund psychischer Erkrankungen. Hierzu befragte TÜV Süd Sicherheitsfachkräfte, die mehrere hundert kleine und mittelständische Unternehmen im Bereich der Arbeitssicherheit betreuen, nach ihrer subjektiven Einschätzung zu psychischen Belastungen und Erkrankungen von Mitarbeitern.

Dabei gaben mehr als 60 Prozent der Befragten an, dass sie in den Unternehmen, die sie betreuen, bereits mit typischen psychischen Belastungsfaktoren konfrontiert wurden.


Zu den häufigsten zählen:

  • zu enge Terminvorgaben und damit steigender Zeitdruck,
  • Konflikte am Arbeitsplatz und
  • Mobbing.

Gefährdetste Zielgruppen: Führungskräfte, Schichtarbeiter, Mitarbeiter im Außendienst und Vertrieb
Auch mangelnde Anerkennung und Wertschätzung der Leistung sowie die Angst um den Arbeitsplatz treiben bei vielen Angestellten den Stresspegel in die Höhe. Als gefährdetste Zielgruppe werden hierbei die Führungskräfte vor den Schichtarbeitern und den Mitarbeitern im Außendienst und Vertrieb gesehen.

Gefährdung wird nach wie vor nicht ernst genug genommen
Jedoch wird die Gefährdung durch psychische Belastungsfaktoren von vielen Unternehmen noch nicht erkannt. So besitzen nach Auffassung der befragten Sicherheitsfachkräfte mehr als die Hälfte der betreuten Unternehmen ein schwaches Bewusstsein für die psychischen Belastungsfaktoren und Erkrankungen in ihrem Unternehmen. Nur etwa jeder zehnte Betrieb nimmt demnach psychische Erkrankungen wirklich ernst.

Bereitschaft niedrig, Geld in entsprechende Frühwarnsysteme und Präventivmaßnahmen zu investieren
Knapp zwei Drittel erwarten auch für die nähere Zukunft keine nennenswerten Investitionen in diesem Bereich. Diese Zahlen sind erstaunlich, da psychische Erkrankungen für den Arbeitgeber enorme Kosten bedeuten. Neben verminderter Motivation und Leistungsfähigkeit sind auch die durchschnittlich 22,5 Ausfalltage ein großer wirtschaftlicher Faktor.

Möglicher Lösungsansatz: Führungskräfteschulungen in das betriebliche Gesundheitsmanagement integrieren
In den Augen der Sicherheitsfachkräfte werden zum einen zu wenig Maßnahmen zur Prävention von psychischen Krankheiten angeboten und zum anderen ist die Wirksamkeit bestehender Angebote eher gering. Hier sind neue Lösungen erforderlich, die auch den Anstieg psychischer Belastungen berücksichtigen. So halten es die befragten Sicherheitsfachkräfte für sinnvoll, neue Angebote wie Führungskräfteschulungen in das betriebliche Gesundheitsmanagement zu integrieren. Denn das Ziel sollte immer sein, Bedingungen am Arbeitsplatz zu schaffen, die die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter schützen.

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