11.02.2013 | Fachkräftemangel

Maschinenbauer wirbt mit eigener Schule um Fachkräfte

Der Maschinenbauer Groz-Beckert will mit der firmeneigenen Schule Fachkräfte binden.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Eine firmeneigene Schule - das hat noch kein Unternehmen im Südwesten. Der Maschinenbauer Groz-Beckert macht im Sommer den Anfang. Die Firma will damit auch Fachkräfte auf die Schwäbische Alb locken.  

Es ist ein landesweit einmaliger Vorstoß im Kampf gegen den Fachkräftemangel: Mit einer eigenen Privatschule will die Firma Groz-Beckert in Albstadt (Zollernalbkreis) ihren Mitarbeitern helfen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Und vielleicht werden an der Schule direkt am Firmengelände sogar die Ingenieure von morgen ausgebildet. Denn neben Mathe, Deutsch und Englisch sollen die bis zu 100 Schüler von Anfang an viel über Naturwissenschaften und Technik lernen. Die Schule und eine angeschlossene Kita lässt sich das Unternehmen einige Millionen kosten. Doch langfristig soll sich die Investition auszahlen.

Moderne Pädagogik 

Die Ansprüche sind hochgesteckt: Die Groz-Beckert-Schule will manches besser manchen als die staatlichen Schulen. Dafür müsse man eine moderne Pädagogik gar nicht erst erfinden, sondern nur anwenden, sagt Anke Klein von der Klett-Gruppe in Stuttgart, die die Schule im Auftrag von Groz-Beckert ab September betreiben wird. Dabei hilft nicht zuletzt die Finanzkraft des 7.500 Mitarbeiter großen Unternehmens, das Maschinen für die Textilindustrie produziert. In der Privatschule werden sich drei Pädagogen um eine Klasse kümmern, sagt Klein. Die Kinder haben sechs Schulstunden mehr pro Woche als an staatlichen Schulen. Jeden Morgen werde als erstes Mathematik und Deutsch unterrichtet. Der Englisch-Lehrer ist Muttersprachler.

Technischer Schwerpunkt 

Regelmäßig sollen ganze Tage für den Unterricht in Naturwissenschaften und Technik genutzt werden. «Wir haben einen Werkraum, einen Forscherraum, ein Atelier, eine Kinderküche, einen Medienraum, einen Theaterraum, einen Musikraum. Dass man da anders arbeiten kann, das ist selbstredend», sagt Klein. Es gehe aber trotz des technischen Schwerpunkts nicht darum, schon in der Grundschulzeit gezielt die zukünftigen Ingenieure auszubilden, betont Ausbildungsleiter Nicolai Wiedmann. "Aber vielleicht wird dadurch schon früh das Interesse der Kinder an einer technischen Tätigkeit geweckt." Das könnte Groz-Beckert in einigen Jahrzehnten bei der Suche von Nachwuchskräften zugutekommen.

70 bis 195 Euro Schulgeld 

Im Moment sind es aber erst einmal die Eltern, die Groz-Beckert mit der umfassenden Kinderbetreuung ans Unternehmen binden will. Für sie kommt das Angebot durch den Zuschuss des Unternehmens verglichen mit anderen Privatschulen noch günstig. 70 bis 195 Euro Schulgeld müssen sie je nach Einkommen zahlen, hinzu kommen Gebühren für die Ganztagesbetreuung und das Mittagessen. Im Wettbewerb um Fachkräfte ist die Privatschule für Groz-Beckert ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Vergleichbare Projekte von Unternehmen gibt es nach Einschätzung von Experten landesweit keine.

Keine "Würth-Schule"

Zwar hat auch die Familie von "Schraubenkönig" Reinhold Würth aus Künzelsau (Hohenlohekreis) zwei Schulen gegründet. Die allerdings werden über die Würth-Stiftung finanziert und verfolgen ausdrücklich gemeinnützige Interessen. "Unsere Schule soll keine Würth-Schule sein", betont eine Sprecherin. Das ist bei Groz-Beckert anders. Trotzdem sei die Schule verpflichtet, auch Kinder aufzunehmen, deren Eltern nichts mit dem Unternehmen zu tun haben, sagt Wiedmann. Und auch bei der Höhe des Schulgelds dürfe man keinen Unterschied zwischen den eigenen Beschäftigten und den Familien außerhalb des Unternehmens machen.

Bürgermeister hofft auf weitere Unternehmen 

Albstadts Erster Bürgermeister Anton Reger hält die Groz-Beckert-Schule für wegweisend. "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärkt unseren Standort. Und die Betriebe haben ja auch selbst ein Interesse daran, Fachkräfte zu binden und dafür zu sorgen, dass sie womöglich auch früher aus der Elternzeit zurückkommen", sagt er. Er hofft, dass andere Unternehmen nachziehen. Vielleicht nicht gleich mit einer ganzen Schule, aber womöglich durch Kooperationen mit den staatlichen Bildungseinrichtungen.

Schlagworte zum Thema:  Schule, Fachkräfte, Fachkräftemangel

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