05.01.2012 | Recht & Personal

Mangelhafte interne Kontrollen machen es Betrügern leicht

Mangelhafte interne Kontrollen in den Unternehmen leisten Betrug und Unterschlagung häufig Vorschub. Zu den häufigsten Vergehen im Berufsalltag gehören die Unterschlagung von Wertgegenständen und geschönte Finanzberichte. Das ist das Ergebnis einer Studie der Wirtschaftsprüfgesellschaft KPMG.

Persönliche Vorteilsnahme ist nicht der einzige Grund

Abgesehen von persönlicher Vorteilsnahme, d. h. Gier, ist Stress einer der Hauptgründe für Regelverstöße.

  • Die Angst, bei ungenügender Leistung den Arbeitsplatz zu verlieren oder vor Kollegen schlecht da zustehen, verführt einige Mitarbeiter zur Fälschung ihrer Ergebnisse.
  • Auch die Wirtschaftskrise ist nicht an jedem spurlos vorbeigegangen. Langjährige, bisher loyale Mitarbeiter, die plötzlich in finanzielle Not geraten, können ebenfalls zu Langfingern werden.
  • Ein weiterer Grund sind zu ambitionierte Kennzahlen und eine aggressive Unternehmenskultur, die Mitarbeiter negativ beeinflussen.

Im Gegensatz dazu tritt bei solchen Unternehmen weniger fehlerhaftes Verhalten auf, die

  • eine offene Unternehmenskultur haben,
  • eine klare Null-Toleranz-Politik gegen Betrug durchsetzen und
  • ihren Mitarbeitern realistische Ziele mit angemessenen Boni setzen.

Gelegenheit macht Diebe: Betrügereien häufen sich bei schwachen internen Kontrollen

Das Sprichwort „Gelegenheit macht Diebe“ scheint auch auf den Berufsalltag zuzutreffen. Wie eine Untersuchung von KPMG zeigt, stieg der Anteil der Betrugsfälle aufgrund laxer Kontrollen von 2007 bis 2011 von 49 auf 74 Prozent (s. Abb. 1).

Abb. 1: Methoden um Kontrollen zu umgehen. Quelle: „Who is the typical fraudster?“, KPMG 2011, S. 10. (vergrößern)

Die Unternehmen sind allerdings nicht ganz unschuldig an dieser Situation. In Krisenzeiten haben viele im Rahmen von Kostensenkungsprogrammen den Rotstift bei der internen Überwachung angesetzt. Langfristig rechnet sich dies aber nicht unbedingt, denn die Schadenssummen durch Betrug können höher ausfallen als gedacht.

Die Quellen für die Aufkärung

Die Aufklärung von Betrugsfällen folgt vielen Mustern. Am häufigsten mit 25 Prozent sind formale und informelle Kontrollmechanismen, bei denen ein Informant Betrügereien anzeigt. Dieses Phänomen ist aus dem angelsächsischen Sprachgebrauch auch bekannt als „Whistleblowing“. Weitereacht Prozent der Betrügereien werden von Kunden oder Lieferanten angezeigt. Externe Parteien wie Banken, Steuerbehörden oder Investoren entlarvten sechs Prozent der Langfinger.

Insgesamt fällt auf, dass vergleichsweise viele Betrugsfälle durch Zufall entdeckt werden bzw. von externen Parteien. Bei der Aufklärung von Unregelmäßigkeiten sind Unternehmen daher in erheblichem Maß vom Wohlwollen und der Aufmerksamkeit ihrer Mitarbeiter und externer Interessensgruppe abhängig. Dies ist keine optimale Situation, denn viele Betrugsfälle werden auf diese Weise nie entdeckt. Die Gründe dafür sind vielfältig.

  • Mitarbeiter fühlen sich oft nicht wohl dabei, Kollegen zu verpfeifen und als „Nestbeschmutzer“ abgestempelt zu werden. Gerade wenn es sich um Unregelmäßigkeiten bei Vorgesetzten handelt, schrecken viele zurück, da sie ihren Arbeitsplatz in Gefahr sehen.
  • Bei Kunden und Lieferanten ist ein häufiges Argument gegen eine Beschwerde, dass die Aufdeckung von Betrügereien nicht zu ihren Aufgaben gehört.

Der Schutz von Personen, die Unregelmäßigkeiten anzeigen, ist deshalb besonders wichtig. Allerdings können die sogenannten „Whistleblower“ keine internen Kontrollsysteme ersetzen sondern sie bestenfalls ergänzen.

Warnsignale werden zu oft ignoriert

Oftmals lassen sich im Alltag schwache Signale finden, dass die Möglichkeit für Unregelmäßigkeiten gegeben ist. Dazu gehören z.B. Mitarbeiter, die plötzlich weit über ihre Verhältnisse leben oder sich weigern Urlaub zu nehmen aus Angst, in ihrer Abwesenheit entdeckt zu werden. In solchen Fällen kann es sich lohnen, genauer hinzugucken. In 2011 zeichneten sich immerhin in 56 Prozent der Betrugsfälle vorher gewisse Signale ab. Allerdings wird selten konsequent gehandelt. Nur in sechs Prozent der Fälle wurde sofort durchgegriffen. 2007 lag dieser Wert mit 24 Prozent deutlich höher. Diese Nachlässigkeit kann dazu führen, dass Betrügereien jahrelang unentdeckt bleiben. Wenn der Fehler entdeckt wird, ist der Schaden umso größer.

Grundlagen

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG untersuchte 348 Betrugsfälle und publizierte die Ergebnisse in dem Beitrag „Who is the typical fraudster?“ in 2011.

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