| Lohndumping

Daimler wegen Werkverträgen unter politischem Druck

Daimler ist wegen des Einsatzes von Werkverträgen in der Produktion unter Druck geraten.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Der baden-württembergische SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel hat den Einsatz von Werkverträgen beim Autobauer Daimler scharf kritisiert.

Es zeichne sich bei Daimler eine Geschäftsstrategie ab, bei der soziale Standards für die Arbeitnehmer zunehmend durch Werkverträge unterlaufen würden, sagte Schmiedel der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. "Die Politik kann nicht zulassen, dass Lohndumping durch die Hintertür in der baden-württembergischen und deutschen Industrie Einzug hält." Der Fraktionschef betonte: "Wenn diese Praxis nicht geändert wird, wird der Gesetzgeber gezwungen sein, die Inhalte von Werkverträgen im Detail zu regeln."

Daimler beschäftigt angeblich "Aufstocker" 

Nach Vorwürfen wegen Lohndumpings hatte der Autobauer die Werkverträge am Wochenende verteidigt. "Daimler kann es sich im internationalen Wettbewerb nicht leisten, in der gesamten Wertschöpfungskette Metalltarife zu zahlen", hatte Personalvorstand Wilfried Porth den "Stuttgarter Nachrichten" gesagt. Daimler war in die Kritik geraten, weil der Dax-Konzern nach Recherchen des SWR über Werkverträge an seinen Fließbändern Menschen beschäftigen soll, die ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken müssen. Der Konzern hatte der Darstellung des Senders damals widersprochen.

Betriebsrat hat Unterstützung der SPD 

Schmiedel sagte, es sei "unanständig", die Arbeitnehmerschaft immer weiter aufzuspalten. Die Arbeit an den Fließbändern gehöre zum originären Produktionsablauf - da könne sich Daimler nicht rausreden. Der Betriebsrat habe in der Auseinandersetzung mit dem Vorstand die volle Unterstützung der SPD. "Bislang ist Daimler für uns immer noch ein Vorzeigeunternehmen", sagte Schmiedel. "Wir wollen, dass das auch so bleibt." Zu einer Premiumproduktion gehörten Premiumarbeitsplätze. "Wer einen Daimler kauft, soll dies mit gutem Gewissen tun können."

Schlagworte zum Thema:  Daimler, Automobilproduktion, Werkvertrag, Betriebsrat, Lohndumping

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