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Kurzfristige Entlassungen bergen langfristiges Risiko

Mit den gegenwärtigen Entlassungen, Gehalts- und Einstellungsstopps holen sich viele Unternehmen neue Probleme ins Haus. Diesen Schluss legt eine aktuelle Studie von Watson Wyatt nahe.

Das Fazit der Studie: Kostenkürzungen durch Kündigungen und Einstellungsstopps entlasten die – krisenbedingt engen – Personalbudgets zwar kurzfristig, langfristig können sie jedoch das Engagement von Leistungsträgern und deren Bindung an das Unternehmen beschädigen. „Unternehmen setzen damit ihren künftigen Erfolg und das Durchstarten im Aufschwung aufs Spiel“, schätzt Thomas Haussmann, Practice Leader Human Capital Group bei Watson Wyatt Heissmann in Wiesbaden, die Situation ein.

Für die Studie wurden Anfang Juni 200 Unternehmen aus Europa und dem mittleren Osten befragt. 43 Prozent werden fest angestellte Mitarbeiter entlassen. Ebenfalls werden die Vergütungskosten gedeckelt. Über 70 Prozent der befragten Unternehmen versuchen, bereits budgetierte Gehaltserhöhungen zu reduzieren. „Das sind zweifellos schnelle Antworten auf Einsparungszwänge – aber sind die begrenzten Vergütungsbudgets damit effektiv eingesetzt?“, gibt Vergütungsexperte Haussmann zu bedenken.

Vergütung nach dem Gießkannenprinzip

Die Watson-Wyatt-Studie zeigt, dass mehr als zwei Drittel der Unternehmen ihre Vergütungsbudgets nach dem Gießkannenprinzip über die gesamte Belegschaft verteilen, statt sie gezielt auf Mitarbeiter in Schlüsselpositionen ausrichten. Selbst dann scheint der Fokus nur auf den Leistungsträgern zu liegen. Mitarbeiter, die über erfolgskritische Fähigkeiten verfügen, sowie gute Durchschnittsleister werden dabei häufig übersehen.

„Die meisten Personalmanager behaupten, Schlüsseltalente in den Mittelpunkt von Vergütungs- und Leistungsbeurteilungsprogrammen zu stellen. Jedoch wird diese Behauptung nur selten dadurch bestätigt, dass die Vergütung auch tatsächlich auf diese Zielgruppe ausgerichtet ist“, berichtet Haussmann. Leistungsträger sind aber nicht zwangsläufig Mitarbeiter mit erfolgskritischen Fähigkeiten. Wenn der Erfolg eines Unternehmens wesentlich von bestimmten Mitarbeitergruppen abhängt, z. B. dem Vertrieb oder der Entwicklung, dann sind dort nicht nur die Top-Leistungsträger von erfolgsentscheidender Bedeutung, sondern auch die guten Durchschnittsleister. Das berücksichtigen nur wenige Unternehmen. „Aber Versäumnisse in der adäquaten Vergütung von erfolgskritischen Mitarbeitern rächen sich. Ist die Bindung dieser Mitarbeiter an das Unternehmen einmal beschädigt, zeigt sich das spätestens dann, wenn sich die Wirtschaft erholt“, so der Vergütungsexperte.

Motivation durch umfassende Kommunikation

Die Studie untersucht auch, mit welchen Maßnahmen Unternehmen Mitarbeiter in Schlüsselpositionen motivieren und binden. In der Krise verstärken sie vor allem die Mitarbeiterkommunikation und setzen auf

  • - umfassendere Kommunikation über Veränderungen im Unternehmen sowie im Unternehmensumfeld (75 Prozent)
  • - umfassendere Kommunikation über die Geschäftsergebnisse (74 Prozent)
  • - stärkere Präsenz des Managements (45 Prozent)
  • - umfassendere Kommunikation über Vergütung (41 Prozent)
  • - Einführung bzw. Ausbau von Mentorprogrammen (35 Prozent)

„Besonders in Krisenzeiten sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter über ihre geschäftliche Situation auf dem Laufenden halten. Das gilt auch für Veränderungen in der Vergütungspolitik – selbst wenn man damit keine guten Nachrichten überbringt“, empfiehlt Haussmann. „Eine ehrliche und glaubwürdige Kommunikation zahlt sich langfristig aus.“

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