04.04.2014 | Konjunkturforscher

Der Jobaufschwung kommt

Vor allem die Industrie sucht wieder Personal.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Konjunkturexperten sind sich einige: Die Hängepartie am Arbeitsmarkt ist vorbei, die deutsche Wirtschaft steht vor einem Jobaufschwung. Im Jahresdurchschnitt könnte die Arbeitslosigkeit um knapp 70. 000 auf 2,88 Millionen Menschen sinken.

Monatelang war es eine zähe Hängepartei - jetzt scheint der Knoten auf dem Arbeitsmarkt geplatzt: Die deutsche Wirtschaft steht vor einem neuen Jobaufschwung. Kaum ein Experte zweifelt noch daran, dass die kommenden Monate auch jenseits des saisonalen Auf und Ab eine spürbar sinkende Arbeitslosigkeit bringen werden. Wie kräftig der Aufschwung ausfallen wird, ist allerdings unklar. Manche erwarten eher eine gedämpfte Entwicklung.

Überraschend kräftiger Frühjahrsaufschwung

Im Jahresdurchschnitt könnte die Arbeitslosigkeit - so die Prognose des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) - um knapp 70.000 auf 2,88 Millionen sinken. Eine ähnliche Entwicklung erwarten auch Volkswirte deutscher Großbanken. Noch im vergangenen Jahr, das von lähmendem Stillstand auf dem Arbeitsmarkt geprägt war, war sie um knapp 53.000 gestiegen. Die aktuellen März-Zahlen scheinen den auch von Deutscher Bundesbank und Konjunkturforschern geteilten Trend zu bestätigen. Mit einem Rückgang um 83.000 auf 3,055 Millionen fiel der bisherige Frühjahrsaufschwung überraschend kräftig aus. Ein Teil davon geht - so zeigt der Rückgang  der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit um 12.000 - auf das Konto der Konjunktur.

Industrie wappnet sich mit mehr Personal

Was den Optimismus der Konjunktur- und Arbeitsmarktexperten verstärkt: Inzwischen entstehen nicht nur neue Jobs in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Kitas sowie wenig attraktive Teilzeit- und 400-Euro-Jobs. Auch die Industrie wappnet sich derzeit mit mehr Personal für das sich abzeichnende Auftragshoch. Bereits im Januar lagen die Auftragseingänge deutscher Unternehmen laut Deutscher Bundesbank deutlich über der Vorjahresentwicklung. Denn viele Unternehmen dürften im Vorjahr aufgeschobene Investitionen etwa in Maschinen jetzt nachholen. Auch der wichtige Export läuft wieder besser. Viele Firmenchefs blicken damit wieder optimistisch in die Zukunft. "Das zeigt sich besonders im Mittelstand, der das Gros der Arbeitsplätze stellt und nach unserer Erwartung weiter Beschäftigung aufbauen will", berichtete der Chefvolkswirt der Frankfurter KfW-Bankengruppe, Jörg Zeuner.

Alte Probleme leben auf

Arbeitsmarktforscher dämpfen gleichwohl die Hoffnung auf einen Job-Boom wie in den Jahren 2010 und 2011. Damals hatten sich die Effekte eines kräftigen Wirtschaftsaufschwungs mit dem der Hartz-IV-Reform verknüpft und die Arbeitslosigkeit auf ein Rekordtief gedrückt. Diese positiven Reform-Effekte, so stellten IAB-Arbeitsmarktforscher kürzlich in ihrem aktuellen Arbeitsmarkt-Ausblick für 2014 klar, seien inzwischen ausgelaufen. "Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt hat spürbar nachgelassen." Zugleich dürfte der Arbeitsmarktaufschwung nach Einschätzung von Experten die alten Probleme wieder augenfällig machen. Schon der März machte deutlich: Von Frühjahrs- und Konjunkturaufschwung profitieren zum größten Teil Jobsucher, die erst vor kurzem ihre Arbeit verloren haben und nicht jene, die schon länger erwerbslos sind. So ging die Zahl der Kurzzeit-Arbeitslosen, die kein Hartz-IV beziehen, um knapp 46.000 zurück. Dagegen legte die Zahl der Jobsucher, die zum Kreis der Hartz-IV-Bezieher gehören, noch mal um 2.688 zu.

Steigende Lohnkosten können zum Bumerang werden

Für Experten lassen sich die drängenden strukturellen Probleme auf dem Arbeitsmarkt allein mit der konjunkturellen Wende nicht lösen. So fehlt es immer noch vielen Jobsuchern an der erforderlichen Qualifikation; bei lukrativen Jobangebote sind sie chancenlos. Zum Bumerang könnten auch die steigenden Lohnkosten werden. Moderate Lohnabschlüsse hatten es für Unternehmen jahrelang attraktiv gemacht, neue Stellen zu schaffen, meinen die Arbeitsmarktforscher. Sollten die Arbeitskosten wieder steigen, könnte das manche Unternehmen daran hindern, neue Leute einzustellen.

>> Lesen Sie auch: Mehr als eine Million offene Stellen

 

Schlagworte zum Thema:  Stellenangebot, Konjunktur, Arbeitsmarkt

Aktuell

Meistgelesen