14.01.2016 | Konjunktur

Tariflöhne steigen schneller als die Preise

Die Löhne steigen schneller als die Preise.
Bild: Marcus Surges

Deutschlands Arbeitnehmer profitieren weiterhin von Aufschwung und geringer Preissteigerung. Ausgehandelte Lohnzuwächse werden auch 2016 tatsächlich bei den Beschäftigten ankommen.

Die fetten Jahre sind für Deutschlands Arbeitnehmer noch nicht vorbei. Nach kräftigen Reallohnzuwächsen im gerade abgelaufenen Jahr deutet auch 2016 vieles darauf hin, dass zumindest die nach Tarif bezahlten Beschäftigten über mehr Kaufkraft verfügen werden. Neben kräftigen Lohnsteigerungen ist dafür vor allem die immer noch niedrige Inflation verantwortlich - also die Preisentwicklung von Waren und Dienstleistungen, die von privaten Haushalten nachgefragt werden. Seit Anfang der Woche ist es amtlich: Die Tariflöhne legten 2015 erneut deutlich stärker zu als die Inflation. Die Verdienste inklusive Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld lagen nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um 2,1 Prozent über dem Vorjahr. Die Verbraucherpreise erhöhten sich im gleichen Zeitraum dagegen nur um vorläufig 0,3 Prozent. Unter dem Strich haben die Beschäftigten somit deutlich mehr Geld im Portemonnaie. Das reale Plus von rund 1,8 Prozent stärkt ihre Kaufkraft und kann den volkswirtschaftlich wichtigen Binnenkonsum weiter ankurbeln.

Die Zeit sinkender Reallöhne ist vorbei

Nach früheren Berechnungen des gewerkschaftlichen WSI-Tarifarchivs lag das reale Wachstum der Tariflöhne 2015 sogar bei kräftigen 2,4 Prozent. Damit sei es den Gewerkschaften seit 2012 das vierte Jahr in Folge gelungen, Tarifsteigerungen oberhalb der Preissteigerungsrate durchzusetzen, erklärte WSI-Leiter Reinhard Bispinck. Zuvor hatte es aber auch ein Jahrzehnt lang meist sinkende Reallöhne gegeben. Jahreszahlen für die Reallohn-Entwicklung sämtlicher Arbeitnehmer will das Statistische Bundesamt erst in einigen Wochen veröffentlichen. Auch wegen des Einflusses des gesetzlichen Mindestlohns könnte hier die Steigerung sogar noch etwas stärker als bei den Tarifbeschäftigten ausfallen, erwartet das WSI. Die Vorgaben aus den ersten neun Monaten des Jahres 2015 deuten jedenfalls darauf hin, denn bis einschließlich September hatten die Bundesstatistiker ein Reallohn-Plus von 2,4 Prozent berechnet. Im bisher stärksten Jahr 1992 ermittelten sie ein Reallohn-Plus von 4,9 Prozent. 2014 waren es 1,7 Prozent.

Schlagworte zum Thema:  Löhne und Gehälter, Konjunktur, Preisniveau

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