| Jobmessen

Wo Unternehmen und Bewerber zueinander finden

Jobmessen sind ein beliebtes Recruiting-Insstrument.
Bild: Spring Messe / Fotostudio Pfluegl

Jobmessen sind zu einem festen Bestandteil für Bewerber bei der Suche nach dem richtigen Unternehmen geworden - und andersrum. Vor allem für kleinere Firmen sind sie eine Chance, geeignete Mitarbeiter zu finden.

Michael hat sich herausgeputzt wie für ein Bewerbungsgespräch: Anzug, frisch geputzte Schuhe. "Ich suche einen Job", sagt der 29-jährige Physiker. Sein Diplom hat er in der Tasche, nun will er Geld verdienen. Die passende Firma hofft Michael bei der "Nacht der Unternehmen" in Stuttgart zu finden. Den fertigen Lebenslauf hat er im Rucksack. Statt Zuhause am Schreibtisch Bewerbungen zu schreiben, bieten Berufsmessen Arbeitssuchenden die Möglichkeit, direkt mit den Firmen in Kontakt zu treten. "Ich kann die Unternehmen so besser einschätzen und die Falschen ausschließen", sagt Michael.

Jobbörsen beliebtetes Recruituing-Instrument 

Die Vorteile aus Sicht der Firmen: Bei den Veranstaltungen könnten sich die Unternehmen bekannter machen und einfacher die passenden Leute finden, sagt Personalerin Vera Marquardt von der Münchner Ingenieursfirma P+Z Engineering, die unter anderem für Bosch, Daimler und Porsche arbeitet. Wenn die Bewerbungen auf ihrem Schreibtisch eintrudeln, falle ihr die Auswahl leichter. "Wir haben die Bewerber im Gedächtnis", sagt sie. Sie selbst sammelt auf den Messen Lebensläufe und schreibt Bewerber direkt an. Wie P+Z denken heutzutage viele Firmen. Das bestätigen Daten der Personalberatung Kienbaum. Laut einer 2013 veröffentlichten Umfrage sind Jobbörsen das beliebteste Recruitment-Instrument bei den Personalverantwortlichen. So würden fünf Prozent immer und 55 Prozent regelmäßig per Jobmesse ihre gewünschten Bewerber ansprechen, sagt ein Kienbaum-Sprecher.

Der direkte Kontakt zur Firma 

Die Zeiten, in denen Personaler Anzeigen schalten müssten, seien vorbei, sagt Michael Barlag, der seit zehn Jahren Jobmessen in Deutschland veranstaltet. Auf einer Jobmesse könne der Personaler "im Nu durch Kurz-Interviews eine Vorauswahl treffen" und dann die Kandidaten einladen, die ihm passend erscheinen. "Viele Unternehmen suchen händeringend nach Personal und finden es nicht". Bei der Agentur für Arbeit in Stuttgart steht man Jobmessen positiv gegenüber. Die Bewerber könnten den direkten Kontakt zu den Firmen herstellen, sagt eine Sprecherin. Die Möglichkeit werde stark genutzt: "Ich habe noch keine leere Jobmesse gesehen", so die Sprecherin. Kritischer findet sie sogenannte "Speed-Dating-Messen", bei denen nur zehn Minuten lang mit dem Personaler gesprochen werde. Denn je qualifizierter der Kontakt sei, desto größer die Möglichkeit des Erfolgs.

Nähe zum Bewerber 

So sieht man es auch beim Esslinger Anbieter von Automatisierungstechik Festo. "Wir suchen die Nähe zum Bewerber", sagt Bianca Reimann, Personalreferentin bei Festo. Am Messestand könne man erste Fragen beantworten und beraten. "Für die Zukunft sind Jobmessen das A und O", glaubt Reimann. Ihre Firma habe in den letzten Jahren durch Berufsmessen viele gute Mitarbeiter gefunden.

Lachshäppchen und Sekt für Interessenten 

Die 18-jährige Jennifer hat sich bei der "Nacht der Unternehmen" mit dem Shuttle-Bus in die Stuttgarter Zweigstelle der Ingenieursfirma P+Z Engineering bringen lassen. "Ich möchte mir das einfach mal angucken", sagt die Abiturientin. Mit Lachshäppchen und Sekt werden die rund 15 Interessenten umworben. Nach einer kurzen Einführung können sich die potenziellen Bewerber Arbeitsabläufe, Räume und die Mitarbeiter anschauen. Am Ende scheint sich der Aufwand gelohnt zu haben. Zwei Bewerbungen seien bereits eingegangen, sagt Personalerin Marquardt am nächsten Tag.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Personalsuche, Jobbörse

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