Infografik
Der Social-Collaboration-Reifegrad in deutschen Unternehmen ist deutlich gestiegen, wie eine Zeitreihenstudie zeigt. Bild: Campana & Schott

Social Collaboration setzt sich immer mehr durch, wie die "Deutsche Social Collaboration Studie 2018" zeigt. Erstmals seit Beginn der Zeitreihenstudie vor drei Jahren überwiegen digitale Formen der Zusammenarbeit mit "Social Collaboration Tools" die analogen Wege der Zusammenarbeit.

Immer mehr Mitarbeiter nutzen Social Collaboration Tools. Das ergab die 3. Deutsche Social Collaboration Studie 2018 von Campana & Schott und dem Fachbereich Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität Darmstadt. Die Studie will mithilfe einer Kennzahl den Social-Collaboration-Reifegrad der Unternehmen aufzeigen. Dieser beschreibt das Ausmaß, in dem die jeweilige Belegschaft kollaborative Technologien zur Bewältigung ihrer täglichen Arbeit nutzt. Er wird auf einer Skala von 1 (vollständig analog) bis 7 (vollständig digital) angegeben.

Social-Collaboration-Reifegrad ist abhängig von der Branche

Der diesjährigen Studie zufolge stieg der Reifegrad deutscher Firmen im Vergleich zum Vorjahr von 3,28 auf 3,96. Das heißt, es kommen erstmals mehr aktuelle digitale Technologien zum Einsatz, als analoge Lösungsansätze (wie das Befragen persönlicher Kontakte) oder etablierte Technologien (zum Beispiel das Versenden von E-Mails).

Allerdings zeigen sich deutliche Branchenunterschiede: Während IT-Unternehmen mit 4,9 erwartungsgemäß den höchsten Reifegrad aufweisen, gefolgt von der Chemie- und Pharmaindustrie (4,2), liegen der Fahrzeugbau (3,9) und das Gesundheitswesen (3,7) unter dem Durchschnitt.

Social Software und Social Collaboration Tools steigern Effizienz

Am häufigsten werden digitale Tools für die Suche nach Informationen und Neuigkeiten verwendet, gefolgt von Anträgen und Formularen. Wer öfter Social Software und Social Collaboration Tools einsetzt, arbeitet um bis zu 30 Prozent effizienter als seine Kollegen.„Dass der Einsatz von Social-Collaboration-Tools die Arbeitseffizienz erhöht, hat sich bereits in den vergangenen beiden Studien gezeigt“, so Dr. Eric Schott, Mitautor der Studie und Geschäftsführer von Campana & Schott. „Inzwischen dienen Social Collaboration Tools vor allem zur Förderung von Innovationen sowie zur Verstärkung der firmenübergreifenden Zusammenarbeit. Um von den Vorteilen zu profitieren, müssen Unternehmen aber weiterhin bestehende Hemmnisse wie unzureichende Usability der Tools oder mangelnden mobilen Zugriff beheben.“

Die Effizienzeffekte von Social Collaboration (SC) stehen laut Studie in einem vielschichtigen Wechselwirkungsverhältnis zu unternehmenskulturellen Faktoren: So steigert zum Beispiel ein Enterprise Social Network (ESN) die Arbeitseffizienz umso mehr, je intensiver die Belegschaft das Netzwerk im Arbeitsalltag einsetzt.  Außerdem korreliert die Nutzungsintensität statistisch signifikant mit der Innovationsorientierung der Mitarbeiter. SC fördert die netzwerkartige Zusammenarbeit und wirkt positiv auf Innovationskraft, Agilität, Technologieaffinität und Unternehmenskultur - so die Ergebnisse der letztjährigen Studie.

Social Collaboration verändert die Unternehmenskultur

Umgekehrt beeinflusst aber auch die bestehende Unternehmenskultur den Erfolg von Social-Collaboration-Projekten. Zusammenhang und Wechselwirkungen zwischen Social Collaboration und Unternehmenskultur werden auch unter dem Schlagwort „Enterprise 2.0“ diskutiert ("Enterprise 2.0: Digitalisierung verändert die Unternehmenskultur").

Der zunehmende Einsatz von SC-Tools macht sich laut der Deutschen Social Collaboration Studie 2018 in den Unternehmen schon bemerkbar. So berichtet etwa jeder zweite Mitarbeiter von einer veränderten Unternehmenskultur. Insbesondere die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Teams, Abteilungen und Hierarchieebenen hat sich demnach verbessert, sodass auch Innovationen spürbar leichter realisiert werden konnten. Gleichzeitig erhöhen optimierte Prozesse die Motivation der Mitarbeiter.

Social Collaboration: Technische Ausstattung mangelhaft

Doch noch ist nicht alles Gold was glänzt: Mit der technischen Ausstattung ihres Arbeitsplatzes sind nur knapp zehn Prozent der Befragten vollständig zufrieden. Dies gilt für Konzerne wie für Mittelständler gleichermaßen. Es fehlt vor allem an einfachen, intuitiv bedienbaren Anwendungen. Auch ein mobiler Zugriff auf Informationen wird häufig vermisst. Zudem wünschen sich die Mitarbeiter eine verbesserte Work Life Balance, mehr Spaß an der Arbeit und eine flexiblere Erreichbarkeit. Gerade diese Anforderungen können moderne SC-Tools erfüllen.

Der digitale Arbeitsplatz: Trends und Technologien

Der digitale Arbeitsplatz wird sich durch aktuelle Trends und zukunftsträchtige Technologien ohnehin stark verändern. So setzen schon jetzt mehr als ein Drittel der Unternehmen auf Technologien aus den Bereichen Big Data oder Data Analytics und über ein Fünftel aus dem Bereich "Internet of Things" (IoT).

Dieser Anteil wird sich in den kommenden Jahren deutlich erhöhen: So erwarten 60 Prozent der Befragten sehr große Veränderungen durch Big Data und 48 Prozent durch IoT. Zudem werden Künstliche Intelligenz sowie Augmented und Virtual Reality innerhalb der kommenden fünf Jahre die Arbeitsprozesse beeinflussen.

Social Collaboration ist Management-Sache

„Damit die Einführung von SC-Tools gelingt, ist eine Unterstützung des Managements und eine klare Vermittlung der Vorteile an die Mitarbeiter nötig“, so Boris Ovcak, Director Social Collaboration bei Campana & Schott. „Dies geschieht nicht in allen Unternehmen. So berichten knapp 30 Prozent der Teilnehmer von einer geringen Unterstützung durch das Management und sogar 36 Prozent von einer nicht ausreichenden Kommunikation der Mehrwerte. Um diese zu verdeutlichen, können Unternehmen Use Cases nutzen. Dazu gehören Informationen zu aktuellen Themen und Projekten, das Stellen inhaltlicher Fragen, schnelles Feedback zu neuen Ideen oder das Finden von Experten zu bestimmten Bereichen.“

Bis zu 32 Prozent höherer Reifegrad durch Digitalisierungsprojekte

Digitalisierungsprojekte zahlen sich in Form einer stärkeren Technologienutzung und damit auch einer höheren Arbeitseffizienz aus. Vor allem große Unternehmen haben in den letzten Jahren intensiv an digitalen Strategien gearbeitet und diese umgesetzt. Der Mittelstand hinkt dagegen bei der Planung und Umsetzung von Digitalisierungsprojekten hinterher.

Dementsprechend ist der Reifegrad in Unternehmen mit abgeschlossenen Digitalisierungsvorhaben mit 4,5 deutlich höher als der Reifegrad von 3,4 bei Teilnehmern, für die Digitalisierungsprojekte bislang keine Rolle spielten.

Hintergrund: Über die "Deutsche Social Collaboration Studie"

Als mehrjährige Zeitreihenuntersuchung liefert die Deutsche Social Collaboration Studie einen tool- und herstellerunabhängigen Gesamtüberblick über die Entwicklung digital vernetzter Zusammenarbeit in deutschsprachigen Unternehmen. An der diesjährigen Erhebung beteiligten sich quer durch ein breites Branchenspektrum 1.418 Mitarbeiter großer und mittelständischer Unternehmen aus Deutschland und der Schweiz.

Neben wissenschaftlichen Aussagen zum Status quo der Social-Collaboration-Adaption in der Wirtschaft bietet die Studie empirisch abgesicherte Erfolgsfaktoren für den praktischen Einsatz in Unternehmen. Die vierte Erhebungswelle ist für Ende 2018 / Anfang 2019 geplant. Weiterführende Informationen finden Sie unter: www.collaboration-studie.de

 

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Schlagworte zum Thema:  Collaboration, Software, Unternehmenskultur, Digitalisierung

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