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Die Best-Recruiters-Studie zeigt, wo Unternehmen Stärken und Schwächen im Recruiting haben. Bild: Haufe Online Redaktion

Wie gut schlagen sich die Recruiter der deutschen Unternehmen? Ist der Fachkräftemangel tatsächlich hausgemacht oder sind die Recruiting-Abteilungen gut aufgestellt? Zwei Untersuchungen geben Aufschluss.

Es ist ein endloser Streit zwischen HR-Experten: Sind wirklich nicht genug ausreichend qualifizierte Fach- und Führungskräfte vorhanden oder ist das Recruiting der Unternehmen nicht ausreichend auf den Bewerbermarkt eingestellt? Klar ist, dass sich viele Unternehmen schwertun, die passenden Kandidaten zu finden. Zwei Studien zeigen nun, was Top-Unternehmen anders oder besser machen – im Sinne der Bewerber – und wo es noch hapert.

Zwei Studien zur Qualität im Recruiting

Die Initiative "Best Recruiters" untersucht regelmäßig die Recruiting-Qualität der jeweils 400 Top-Arbeitgeber im deutschsprachigen Raum. Nun hat sie den sechsten Report veröffentlicht, in dem insgesamt 423 Unternehmen nach 136 wissenschaftliche Kriterien getestet wurden.

Kurz davor hat das Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Erlangen-Nürnberg zusammen mit dem Karriereportal Monster die aktuelle Ausgabe der Studienreihe "Recruiting Trends" herausgebracht. Darin wurden die Top-1.000-Unternehmen (Rücklaufquote 11,7 Prozent) und die 300 größten Unternehmen aus der IT-Branche (Rücklaufquote 13,0 Prozent) aus Deutschland befragt und die Ergebnisse mit den Resultaten des Nutzungsverhaltens und den Einschätzungen von über 2.800 Kandidaten verglichen.

Social Media aus dem Recruiting nicht mehr wegzudenken

Zu welchem Ergebnis kommen beide Studien? Best Recruiters kommt zunächst einmal zu dem Schluss, dass Social Media im Recruiting-Mix deutscher Personaler inzwischen angekommen sind. Nur drei Prozent der 423 getesteten Arbeitgeber nutzen keine der elf untersuchten Social-Media-Plattformen für Recruiting-Zwecke. Die Unternehmen präsentieren sich am häufigsten auf Xing, Linkedin und Kununu. Über Instagram versuchen immerhin 15 Prozent vielversprechende Talente anzulocken.

Auch die CHRIS-Studie belegt, dass Social Media inzwischen ein wesentliches Element im Recruiting und im Active Sourcing sind. Drei Viertel der untersuchten Top-Unternehmen bewerten den Einsatz positiv. Vor sieben Jahren - als der Trend noch neu war - sah das nur die Hälfte so. Und die Unternehmen werden in der Umsetzung professioneller: Die Hälfte der untersuchten Top-Unternehmen stimmt Social Media mit anderen Personalbeschaffungsaktivitäten ab. Knapp ein Viertel hat zudem Erfolgskontrollen etabliert, ein Anstieg um 8,1 Prozentpunkte gegenüber 2013. 

Noch Schwächen in der Kommunikation über Social Media

Trotz der flächendeckenden Präsenz in den sozialen Medien nutzen die Arbeitgeber aber deren Potenzial noch nicht in vollem Umfang. So haben laut der Best-Recruiters-Studie zwar neun von zehn Unternehmen ein Arbeitgeberprofil auf Xing, aber nur 41 Prozent kommunizieren über diesen Kanal aktiv beispielsweise relevante News für potenzielle Bewerber. Bei Linkedin ist es gut jedes Fünfte (23 Prozent).

In der diesjährigen Best-Recruiters-Studie erhielten erstmals alle analysierten Unternehmen Deutschlands eine Interessenanfrage eines fiktiven Bewerbers per Social Media. Auch hier zeigt sich, dass die Kommunikation noch nicht klappt: Nur etwas mehr als ein Drittel (37 Prozent) reagierte innerhalb der studienrelevanten Frist von drei Werktagen – davon allerdings ein Großteil (31 Prozent) innerhalb von 24 Stunden. Diese Tendenz beschränkt sich nicht nur auf Deutschland: In Österreich antworteten sogar lediglich 17 Prozent auf die Anfrage per Social Media.

Mobile Recruiting: durchgängige Optimierung fehlt

In Sachen Mobile Recruiting gibt es noch Verbesserungspotenziale: Laut CHRIS-Studie stellen von den untersuchten Top-Unternehmen gut die Hälfte (55,2 Prozent) ihre Informationen und 57,6 Prozent ihre Stellenanzeigen mobil optimiert zur Verfügung. 46,3 Prozent bieten zudem die Möglichkeit der mobilen Bewerbung und decken damit die Basisleistungen ab.

Laut Best-Recruiters-Studie bieten knapp die Hälfte (52 Prozent) der analysierten Arbeitgeber einen durchgängig mobil optimierten Bewerbungsprozess – von der Karriere-Website über Stellenmarkt und Jobausschreibungen bis hin zur Bewerbung per se – an. Aktiv zur Smartphone-Bewerbung aufgefordert und eingeladen werden Kandidaten bei gerade einmal zwei Prozent der 423 untersuchten Top-Unternehmen.

Apps und One-Click per Smartphone noch selten

Von den meisten Unternehmen noch ungenutzt ist - alut CHRIS-Studie - das Potential, das Apps bieten, obwohl es mehr als die Hälfte der Kandidaten gut findet, wenn Unternehmen und Internet-Stellenbörsen Apps für mobile Endgeräte bereitstellen. Eine Unternehmens-App zur Veröffentlichung von Stellenanzeigen bieten nur 4,5 Prozent der Top-Unternehmen.

Auch die Initaitve "Best Recruiters" zeigt weitere Schwachstellen im Mobile Recruitingt: Am Smartphone können sich Kandidaten erst bei jedem fünften Arbeitgeber mit ihrem Xing- oder Linkedin-Profil bewerben. Die Hälfte der getesteten Arbeitgeber (54 Prozent) hat ein mobil optimiertes Online-Bewerbungsformular.

Der Vergleich mit den vorhergehenden Studien in der Reihe "Recruiting Trends" zeigt jedoch: Arbeitgeber sind sich der Bedeutung von Mobile Recruiting bewusst und haben das Thema weit oben auf ihre Agenda gesetzt.

Chatbots und Recommender-Systeme häufiger gewünscht als angeboten

In Sachen Digitalisierung der Personalgewinnung zeigt die CHRIS-Studie ebenso Nachholbedarf der Recruiter auf: So nutzen schon 45,4 Prozent der Kandidaten beispielsweise bereits Job-Recommender-Systeme, die ihnen aufgrund ihres Profils geeignete Unternehmen und offene Stellen vorschlagen. Bei den Unternehmen ist dies aber nur in jedem zehnten im Einsatz; ein Fünftel plant dies noch. Auch Chatbots würden die Kandidaten laut der Studie gerne nutzen. Diese sind aber erst bei 2,8 Prozent der untersuchten Top-Unternehmen im Einsatz.

Ranking der besten Recruiter

Die Inititiative "Best Recruiters" erstellt nach der Untersuchung immer ein Ranking der untersuchten Unternehmen, die das beste Recruiting ausweisen können. Hier ist 2018 Otto Gesamtsieger, gefolgt von Deloitte und Altana. Unter den Top-10-Recruitern sind Unternehmensberatungen besonders stark vertreten: Neben Deloitte haben es auch KPMG (Rang 5) und EY (Rang 7) unter die ersten zehn Plätze geschafft. Außerdem im Spitzenfeld: Amadeus Fire (Rang 4), Axel Springer (Rang 6), BASF (Rang 8), Randstad (Rang 9) sowie Hilti (Rang 10).

Eine Aufstellung sämtlicher Branchensieger der Best-Recruiters-Studie 2017/18 können Sie hier herunterladen.


Die Studie "Recruiting Trends 2018" von CHRIS und Monster können Sie hier herunterladen.


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Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Mobile Recruiting, Fachkräftemangel

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