Im kommenden Jahr 2017 stehen zunächst große Tarifrunden der Gewerkschaft Verdi auf dem Kalender. Bild: Michael Bamberger

Noch laufen die Tarifverhandlungen bei Bahn, Lufthansa und anderswo. Auch im kommenden Jahr sind spannende Verhandlungen nicht nur zum Lohn zu erwarten. Das Schwergewicht, die Metall- und Elektroindustrie, kommt aber erst ganz zum Schluss.

Einzelhandel und der Öffentliche Dienst der Länder - im kommenden Jahr 2017 stehen zunächst große Tarifrunden der Gewerkschaft Verdi auf dem Kalender. Für rund 11,4 Millionen Beschäftigte werden im neuen Jahr in Deutschland die Arbeitsbedingungen neu ausgehandelt, rund eine halbe Million weniger als 2016. Noch offen sind die komplizierten Verhandlungen der Lokführer mit der Deutschen Bahn und der Piloten mit Lufthansa. Nach einer Zusammenstellung des Düsseldorfer WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung stehen in diesem Jahr auch große Runden für alle Bereiche des Handels, für das Kfz-Gewerbe sowie für die Textilindustrie an.

Günstige Verhandlungsposition der Gewerkschaften

Bild: Statista ⁄
Den Anfang macht Verdi mit den Verhandlungen für den Öffentlichen Dienst aller Länder außer Hessen. Neben den 860.000 Tarifbeschäftigten schauen auch mehr als 2 Millionen Landesbeamte auf das Ergebnis, das üblicherweise im Nachhinein auf sie übertragen wird. Erst zum Jahresende folgt mit rund 3,5 Millionen Beschäftigten der tarifpolitisch dickste Brocken mit der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Angesichts der stabilen Konjunkturaussichten und der guten Beschäftigungslage ist die Verhandlungsposition der Gewerkschaften vergleichsweise günstig. Sie müssen aber Rücksicht auf die 2016 kaum noch vorhandene Preissteigerung nehmen, die sich nach bereits reduzierter Einschätzung der Bundesbank im kommenden Jahr auf 1,4 Prozent steigern wird. Dieser Jahreswert müsste mindestens übertroffen werden, um einen Reallohnzuwachs für die Beschäftigten zu realisieren. Zuletzt hatte sich die Reallohnsteigerung abgeschwächt.

Verdi mit Spitzenforderung

An die Spitze der wenigen bislang bekannten Forderungen hat sich Verdi gesetzt, die von den Länder-Tarifgemeinschaft ein Verbesserungspaket verlangt, das nach ihren Berechnungen rund 6 Prozent entspricht. Für die Beschäftigten der Energie- und Versorgungswirtschaft Ost fordert Verdi zwar 5,0 Prozent mehr Geld, bezieht dies aber auf eine Laufzeit von 15 Monaten. Auch die IG Metall bleibt mit 4,5 Prozent für gut 76.000 Beschäftigte der westdeutschen Textilindustrie unter der 5-Prozent-Marke. Gar keine konkrete Prozentzahl, sondern einen "deutlichen realen Einkommenszuwachs" verlangt die IG BCE für die noch 9.500 verbliebenen Beschäftigten des deutschen Steinkohlebergbaus.

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Schwierige Tarifsituation bei der Lufthansa

Bei der Lufthansa und ihren Tochtergesellschaften ist die schwierige Tarifsituation auch nach 14 Streikrunden der Piloten immer noch nicht geklärt. Das Unternehmen und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit sprechen zwar mit Hilfe eines Schlichters zu Gehaltsfragen wieder miteinander, doch ein weiterer Arbeitskampf ist ab Februar keineswegs ausgeschlossen. Außerdem sind bei der Lufthansa-Mutter und der Tochter Germanwings weitere Tarifthemen etwa zu den Übergangsrenten offen geblieben, so dass VC auch zu diesen Themen perspektivisch in beiden Unternehmen zum Streik aufrufen könnte. Möglicherweise zum ersten Testfall für das neue Tarifeinheitsgesetz könnte die Düsseldorfer Lufthansa-Tochter Eurowings GmbH mit gerade mal 23 Jets werden. Hier hat die DGB-Gewerkschaft Verdi für das Kabinenpersonal einen Tarifvertrag unterschrieben, den die Konkurrenz-Organisation Ufo ablehnt. Sollte Ufo gegebenenfalls auch mit Streiks einen abweichenden Vertrag erzwingen, müsste festgestellt werden, welche Gewerkschaft im Betrieb die stärkere ist - ein bislang noch nicht erprobtes Verfahren mit vielen Fragezeichen.

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Keine reine Lohnrunde für die IG Metall

Eine weitere reine Lohnrunde soll es in der deutschen Metall- und Elektroindustrie erklärtermaßen nicht geben. Die IG Metall will die lange Friedensfrist bis Jahresende 2017 nutzen, um zukunftsträchtige Arbeitszeitkonzepte in der zunehmend digitalisierten Industrie zu entwickeln. Ein Kongress zum Thema soll im Juni stattfinden und möglichst in einem tarifpolitischen Zielkatalog münden. Klar ist bislang, dass nach dem Willen der Gewerkschaft geleistete Arbeit künftig nicht mehr unentgeltlich verfallen soll. Selbst- und mitbestimmte Arbeitszeitrealitäten müssten an die Stelle fremdbestimmter Flexibilität treten, sagt der IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Zudem will die IG Metall Wahlmöglichkeiten durchsetzen, die es ermöglichen, Kinder, Pflege, Weiterbildung besser mit der Arbeit zu vereinbaren.

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Schlagworte zum Thema:  Tarifvertrag , Tarifverhandlung, Gewerkschaft

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