20.06.2013 | IAB-Studie

Forscher raten zur weiteren Arbeitsmarktreformen

Damit die Flure des Arbeitsamts leer bleiben, regen IAB-Forscher Arbeitsmarktreformen an.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Mehr Jobs, weniger Arbeitslose - die Hartz-Reformen waren eine der Voraussetzungen für den Jobaufschwung. Nicht alle haben davon profitiert - daher fordern Arbeitsmarktforscher weitere Reformen.

Arbeitsmarktforscher haben der Politik nach den Erfolgen der Hartz-Reformen zu weiteren Reformanstrengungen geraten. Sie müssten dabei auf die "Schattenseiten" reagieren, mit denen die Arbeitsmarktreform der früheren rot-grünen Bundesregierung zumindest für einen Teil der Bevölkerung verbunden seien, heißt es in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Das IAB ist die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit.

Drehtür-Effekte durch atypische Beschäftigung 

"Trotz des makroökonomischen Erfolges der Hartz-Reformen ist mit ihrer Wirkung auch ein soziales Auseinanderdriften verbunden gewesen", kritisieren die Autoren der Studie, Sabine Klinger, Thomas Rothe und Enzo Weber. Die Lasten der Reformen hätten im wesentlichen die Arbeitnehmer getragen. So habe seit den Hartz-Reformen die "atypische Erwerbstätigkeit, wie Leiharbeit, befristete Beschäftigung oder Minijobs" deutlich zugenommen. Betroffene würden zudem oft nur für kurze Zeit beschäftigt und schlechter bezahlt, stellen die Arbeitsmarktforscher fest. "Drehtüreffekte sind die Folge - oft direkt in die Grundsicherung nach Sozialgesetzbuch II". Darüber hinaus habe die bereits seit Jahrzehnten zunehmende Einkommensungleichheit zugenommen - und zwar dadurch, dass gerade die Löhne in den unteren Lohngruppen gesunken seien.

Reformvorsprung aufgebraucht 

Allerdings sei es mit den Hartz-Reformen auch gelungen, den verfestigten Kern der Arbeitslosigkeit zum Teil aufzubrechen. Mit rund 2,9 Millionen sei die Arbeitslosigkeit im Jahr 2012 auf den niedrigsten Stand seit 1991 gesunken. Insgesamt funktioniere der Arbeitsmarkt besser - und das auf Dauer, meinen die Forscher. Inzwischen seien diese Reform-Effekte aber aufgebraucht.

Langzeitarbeitslose besser betreuen 

Um langfristig die mit den Hartz-Reformen erzielten Strukturerfolge nicht zu gefährden, müssten mehr Menschen als bisher von den früheren Reformen profitieren. Konkret sprechen sich die Arbeitsmarktforscher für eine stärkere Einzellfall-Betreuung von Langzeitarbeitslosen aus. Langzeitarbeitslose, die eine neue Stelle gefunden haben, sollten auch danach noch eine Zeit lang von den Fallmanagern in den Jobcentern betreut werden. Wer den Sprung in die Arbeitswelt geschafft habe, sollte mit Weiterbildung die Chance erhalten, sich beruflich zu verbessern, raten die IAB-Wissenschaftler.

Schlagworte zum Thema:  IAB, Studie, Langzeitarbeitslosigkeit, Arbeitsmarkt, Hartz IV

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