04.09.2012 | Brüsseler Vorgaben

Handwerk warnt vor Qualitätsabbau bei Ausbildung

Im Handwerk gibt es noch freie Ausbildungsplätze.
Bild: Haufe Online Redaktion

"Lehrling gesucht", heißt es im Handwerk und anderen Branchen auch nach dem Start des neuen Ausbildungsjahres an diesem Samstag. Zugleich warnt das Handwerk vor Qualitätsabbau durch EU-Vorgaben.

Handwerkspräsident Otto Kentzler hat vor einem Qualitätsabbau in der deutschen beruflichen Bildung durch Brüsseler Vorgaben gewarnt, "Die duale Berufsausbildung in Deutschland ist ein Modell, das uns in Europa vielerorts Anerkennung einbringt", sagte Kentzler in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Kentzler: "Wenn die EU-Kommission in Brüssel Standards vereinheitlichen will: Bitte schön. Aber es schadet Europa und uns, wenn das am Ende auf niedrigem Niveau passiert. Nur durch bessere Qualifikation bleiben wir wettbewerbsfähig." Auch nach dem offiziellen Start des neuen Ausbildungsjahres am 1. September gebe es in den in den Betrieben des Handwerks noch ausreichend freie Ausbildungsplätze, sagte Kentzler weiter. "Wir bieten allen Jugendlichen die Chance auf einen Ausbildungsplatz in ihrem Wunschberuf im Handwerk. Grundvoraussetzung ist natürlich Motivation und Lust auf eine handwerkliche Tätigkeit."

Handwerk auf dem aktuellen Stand der Technik 

Allein in den Online-Börsen der Handwerkskammern würden aktuell etwa 23.000 freie Lehrstellen in zukunftsträchtigen Berufen angeboten - beispielsweise in jenen, die von der Energiewende profitieren: etwa der Anlagenmechaniker Sanitär Heizung Klimatechnik oder der Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Eine Ausbildung im Handwerk sei bei Jugendlichen heute so populär wie lange nicht mehr, sagte Kentzler weiter. "Und das hat seine Ursachen: In vielen Berufsbildern prägen wir den aktuellen Stand der Technik, zum Beispiel bei der Elektromobilität oder der intelligenten Haustechnik." Viele Handwerksbetriebe hätten auch auf die Wünsche des Marktes reagiert und arbeiten eng zusammen, um Lösungen und klassische Handwerksleistungen aus einer Hand anbieten zu können. In den Bereichen Küche und Bad beispielsweise wirkten Maler, Anlagenmechaniker, Trockenausbauer und Elektroinstallateure Hand in Hand.

Keine Männerdomäne mehr 

Kentzler: "Auch Mädchen sind im Handwerk willkommen, denn das Handwerk ist längst keine reine Männerdomäne mehr." Zu den Klagen über eine nachlassende Ausbildungsreife bei den Jugendlichen sagte Kentzler: "Die Jugend von heute ist nicht schlechter. Man muss sie nur erst einmal begeistern." Durch die praktische Arbeit im Betrieb würden vielfach auch jene Jugendlichen  zu neuen Lernanstrengungen motiviert, die bei der theoretischen Vermittlung von Wissen in ihren letzten Schuljahren "eher weniger stark waren".

Schlagworte zum Thema:  Handwerk, Ausbildung

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