28.11.2012 | Studie

Geringe deutsche Lohnentwicklung gefährdet Eurozone

Die deutsche Lohnzurückhaltung wirkt sich auf die EU-Partner aus.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre in Deutschland hat laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung die Stabilität in der Eurozone belastet.

Hohe deutsche Exportüberschüsse entständen "auf Pump, auf den Schulden der anderen Länder", sagte Gustav Horn, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Stiftung in Berlin. Deutschland ist nach Ansicht der IMK-Forscher auch wegen der Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre zwar ein Land mit hoher Wettbewerbsfähigkeit. "Die Kehrseite ist eine relativ schwache Entwicklung bei Löhnen und Binnennachfrage", sagte Horn. Die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse setzten die Partner in der EU unter großen Druck. "Und das macht es so schwer, die Krise im Euroraum zu bewältigen."

Deutschland auf Rang sieben 

Deutschland lag nach dem Report des IMK im vergangenen Jahr mit der Höhe seiner Arbeitskosten in der Privatwirtschaft auf Rang sieben der 27 EU-Länder. Das war der gleiche Rang wie 2010. Sowohl vor der internationalen Finanzkrise von 2000 bis 2008 als auch von 2008 bis 2011 seien die deutschen Arbeitskosten jedoch weniger stark gestiegen als im Mittel der Europäischen Union und der Eurozone.

Große Unterschiede je nach Branche 

Im vergangenen Jahr fielen für eine Arbeitsstunde nach Daten des europäischen Statistikamtes Eurostat Kosten von 30,10 Euro an. Einen großen Unterschied gab es zwischen Industrie und Dienstleistungen: Im verarbeitenden Gewerbe lagen die Arbeitskosten je Stunde bei 34,30 Euro, im Dienstleistungsbereich lediglich bei 27,50 Euro. In keinem anderen europäischen Land sei der Unterschied derart groß, sagte Horn. Den Grund dafür sieht er in Niedriglohnjobs im Dienstleistungssektor, während in der Industrie noch häufig Tariflohn gezahlt werde.

Niedriglohnsektor auf dem Prüfstand 

Horn sieht neben den Tarifparteien auch die Politik in der Pflicht. Neben der Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns müsse auch der Niedriglohnsektor auf den Prüfstand. "Die Subventionierung von Niedriglohnbeschäftigung würde ich sofort kappen", sagte Horn. "Da sollte der Steuerzahler oder die Sozialversicherung nicht mit im Boot sein." Bei der Aufstockung von Niedriglöhnen müssten zudem die Anreize richtig gesetzt werden. Höhere Arbeitskosten als in Deutschland gab es laut der Studie in den Benelux-Staaten, Schweden, Dänemark und Frankreich. Spitzenreiter war demnach Belgien mit 39,30 Euro je geleisteter Arbeitsstunde. Am wenigsten kostete Arbeit mit 3,50 Euro je Stunde in Bulgarien.

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