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Fehlentwicklung beim Bundesfreiwilligendienst

Beim Bundesfreiwilligendienst herrscht nach wie vor reger Andrang.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Es herrscht weiter Andrang auf Stellen des Bundesfreiwilligendienstes, der vor allem junge Leute zum Ehrenamt locken soll. Doch besonders in Ostdeutschland sind mehr als die Hälfte der Freiwilligen älter als 27. Grund könnte die Abschaffung der Ein-Euro-Jobs sein.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Schneider hat vor Fehlentwicklungen beim Bundesfreiwilligendienst gewarnt. "Der Bfd darf nicht als arbeitsmarktpolitisches Instrument missbraucht werden", erklärte Schneider. Seit die Bundesregierung die Altersgrenze von 27 abgeschafft habe, mehrten sich die Anzeichen für einen falschen Einsatz der Freiwilligen.

Weiterhin großer Andrang 

Bereits im Juni hatte eine Studie der Hertie School of Governance ergeben, dass die Mehrheit der "Bufdis" in den ostdeutschen Flächenländern über 27 Jahre alt sei. Besonders deutlich zeigt sich das in Thüringen mit einem Anteil von 79 Prozent. Im Nachbarland Niedersachsen sind hingegen 87 Prozent jünger als 27 Jahre. Der Bundesfreiwilligendienst ersetzt nach dem Aussetzen der Wehrpflicht seit dem 1. Juli 2011 den Zivildienst. In Thüringen waren im November insgesamt 2.504 Menschen über den Bundesfreiwilligendienst tätig. Davon waren 1.388 Frauen und 1.116 Männer, wie aus einer Statistik des Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben hervorgeht. Bei den mitteldeutschen Trägern ist die Zahl der Freiwilligen, die  über 27 Jahre alt sind, sehr hoch. "Bei uns sind es zwischen 80 und 85 Prozent", sagte Franziska Frehde von der Arbeiterwohlfahrt Thüringen (AWO). Der Andrang sei weiterhin groß. Darunter seien auch viele Rentner und auch einige Arbeitslose.

Kaum noch Ein-Euro-Jobs 

Schneider kritisierte, einige Jobcenter würden für den Bundesfreiwilligendienst werben. Die Regionaldirektion der Arbeitsagentur wollte das so nicht bestätigen: "Wir weisen zwar in passenden Fällen auf diese Möglichkeit hin, aber wir betreiben keine aktive Beratung für den Dienst", sagte Sprecher Kristian Veil. Dies müssten die Arbeitsagenturen aber auch nicht, meint Hans-Hermann Hoffmann von der Thüringer Arbeitsloseninitiative. "Die arbeitsmarktpolitischen Instrumente wurden soweit zurückgefahren, dass die Betroffenen sich darum selbst kümmern", sagte er. Es würden kaum noch Ein-Euro-Jobs oder andere Maßnahmen angeboten. Das Hauptproblem sehen selbst die Träger jedoch in einer mangelnden Kontrolle beim Bundesprogramm. "Beim Freiwilligen Sozialen Jahr ist immer noch ein Träger zwischengeschaltet, der die Einsatzstellen kontrolliert und die FSJler bei Missbrauch abziehen kann. Beim Bundesfreiwilligendienst ist das nicht so", sagte eine Mitarbeiterin eines Trägerverbandes.

Schlagworte zum Thema:  Bundesfreiwilligendienst, Missbrauch, Ein-Euro-Job, Arbeitsmarkt

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