30.12.2015 | Gesetzespläne

Familienunternehmen gegen Offenlegung der Gehälter

Familienunternehmen wehren sich gegen den Anspruch auf Offenlegung der Gehälter.
Bild: Marcus Surges

Die Pläne von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern stoßen in Familienunternehmen auf Kritik. Ein einklagbares Recht zur Offenlegung der Gehälter sei nicht nur überzogen, sondern datenschutzrechtlich äußerst fragwürdig, sagte der Präsident des Verbandes "Die Familienunternehmer", Lutz Goebel, der Deutschen Presse-Agentur.

Schwesig will mit ihrem Gesetzvorstoß die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern weitestgehend schließen. Nach ihrem Entwurf sollen Beschäftigte in Firmen ab 500 Mitarbeiter und im öffentlichen Dienst künftig vom Arbeitgeber Auskunft verlangen, ob für gleiche oder gleichwertige Arbeit auch gleich bezahlt wird. Firmen müssen dokumentieren, ob ihre Praxis gerecht ist. "Das ist höchst kritisch", sagte Goebel. Das bedeute einen gravierenden Eingriff in die Vertragsfreiheit. "Es muss doch die Möglichkeit geben, Mitarbeiter individuell zu vergüten", sagte Goebel, der Geschäftsführender Gesellschafter des Krefelder Motorenspezialisten Henkelhausen ist. Gegen Diskriminierung könne schon geklagt werden: "Eigentlich geht es in letzter Konsequenz bei wirklich vergleichbaren Arbeitsplätzen nur um acht Prozent Differenz der Bezahlung." Diese erklärten sich unter anderem aus den unterschiedlichen Strategien der Arbeitnehmer in Gehaltsverhandlungen.

Scheinwerkverträge bereits heute sanktioniert

Als "weltfremd" kritisierte Goebel auch die Pläne von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) gegen Missbrauch bei Zeitarbeit und Werkverträgen. Damit übertragen Unternehmen Aufgaben an Fremdfirmen. Nahles will Zeitarbeit auf eine Dauer von 18 Monaten begrenzen. In Tarifverträgen sollen aber abweichende Regelungen vereinbart werden können. "Ich habe den Eindruck, dass die IG Metall hier die Gesetzestexte verfasst und sich orientiert am Fließbandarbeiter der Autoindustrie", sagte Goebel. "Aber wir werden in Zukunft in der digitalisierten Welt viele Eigenunternehmer haben, die projektbezogen in Firmen arbeiten." Auch bei der geplanten Neuregelung von Werkverträgen bleibe die unternehmerische Realität außen vor. Im Endeffekt werde die Rechtsunsicherheit der Unternehmen eher zu- als abnehmen: "Dann funktioniert das nicht mehr." Dort, wo es Scheinwerkverträge gebe, könne bereits heute gesetzlich sanktioniert werden.

Sorge um "verkrustetes Arbeitsrecht"

Nach einer Verbandsumfrage macht das Arbeitsrecht Familienunternehmen am meisten zu schaffen: Fast zwei Drittel der befragten Firmen haben für 2016 "große Sorgen" wegen einer "Verkrustung des Arbeitsrechts". Ein Anstieg der Sozialabgaben und mögliche Steuererhöhungen bereiteten 49 beziehungsweise 46 Prozent der Familienunternehmen "große Sorgen". Die Mehrheit der deutschen Familienunternehmen setzt aber auch im kommenden Jahr auf Wachstum und zusätzliche Beschäftigung. 39 Prozent planen für 2016 die Einstellung zusätzlicher Mitarbeiter. Das wären mehr als in diesem Jahr (34 Prozent). Jedes zweite Unternehmen sorge sich stark wegen Fachkräftemangels.  

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Schlagworte zum Thema:  Familienunternehmen, Löhne und Gehälter

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