16.02.2016 | Experiment Topsharing

Führung durch zwei

Topsharing- Führen im Team.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Jobsharing ist vielen bekannt. Dabei teilen sich zwei Mitarbeiter eine Stelle. Aber Topsharing? Das ist das gleiche Prinzip - nur auf Führungsebene. Das Modell hat zum Beispiel für Eltern Vorteile, die nicht Vollzeit arbeiten können. Aber funktioniert das?

Einen Führungsjob machen und Teilzeit arbeiten: Das war für Katja Jenkner lange ausgeschlossen. Die 40-Jährige ist bei der Deutschen Bahn angestellt. Sie hat zwei kleine Kinder und arbeitet, seit sie Mutter ist, auf einer 60-Prozent-Stelle. Im Januar 2013 bekam sie eine Führungsposition. Sie übernahm zusammen mit ihrer Kollegin Dorle Springer die Leitung eines Teams mit neun Mitarbeitern. Springer arbeitete ebenfalls 60 Prozent. Topsharing nennt sich das Modell - zwei teilen sich eine Führungsposition als Doppelspitze. "Für mich hat das Modell nur Vorteile»" sagt Jenkner. "Ich habe einen verantwortungsvollen Job und kann trotzdem Teilzeit arbeiten."

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Topsharing? Davon haben viele noch nie gehört. Dass eine Führungsposition mit zwei Teilzeitkräften besetzt ist, war auch bei der Deutschen Bahn eine Neuerung. Die Kollegen waren anfangs skeptisch, erzählt Jenkner. Sollte zum Beispiel bei einem Meeting ein Folgetermin ausgemacht werden, sagte mancher: "Wann sind Sie denn das nächste Mal da? Ihre Kollegin hat das Meeting ja nicht mitbekommen." Jenkner sagte dann immer: "Wir sind fünf Tage die Woche da!" Es brauchte ein bis zwei Treffen, bis die Kollegen merkten, dass beide Führungskräfte wirklich gleichermaßen mit allen Inhalten vertraut sind, und zwar unabhängig davon, ob sie beim Meeting dabei waren oder nicht. Das Konzept Topsharing klingt erst einmal ungewöhnlich. Und doch wird es immer wieder genannt, wenn es darum geht, Arbeitnehmern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Bislang ist es noch nicht weit verbreitet. "Doch gerade Unternehmen, denen das Thema Vereinbarkeit wichtig ist, experimentieren immer häufiger damit", sagt Susanne Broel, die als Coach Arbeitnehmer zum Thema Job- und Topsharing berät.

Viel Abstimmungsbedarf

Läuft es mit der Doppelspitze gut, ist es für den Arbeitgeber und die Belegschaft ein Gewinn. "Vier Augen sehen einfach mehr als zwei", sagt Broel. Im besten Fall ergänzen sich die beiden Chefs in ihren Kompetenzen und Kenntnissen. Ein Beispiel: Statt zwei Sprachen fließend zu sprechen, beherrschen sie zusammen vielleicht schon fünf. Fällt ein Chef wegen Urlaub oder Krankheit aus, ist das in der Regel kein Problem, denn der andere kann übernehmen. Gibt es nur einen Chef, passiert sonst in dieser Zeit nicht viel. Und das Team profitiert, denn bei zwei Vorgesetzten ist die Chance für die Mitarbeiter groß, zumindest mit einem von beiden auf einer Wellenlänge zu liegen. Doch eine Doppelspitze bringt auch viel Organisationsaufwand mit sich. Wie teilt man die Aufgaben und die Verantwortung für die Mitarbeiter auf? Wie stellt man sicher, dass beide Führungskräfte immer in allen Punkten auf dem aktuellen Stand sind? Wie organisiert man seinen Arbeitsalltag und die Übergabe - das sind einige Beispiele, die Jana Tepe gibt. Sie ist Geschäftsführerin von Tandemploy, einer Online-Plattform für Jobsharing und flexibles Arbeiten. "Damit das Prinzip Doppelspitze funktioniert, müssen die beiden Partner einander absolut vertrauen und loyal sein", sagt Tepe. "Man muss sich 100 Prozent aufeinander verlassen können."

Schlagworte zum Thema:  Verteilte Führung, Führung

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