| EU-Arbeitsmarkt

Erste Erfolge im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit

Das Zieel: Jungen Menschen eine berufliche Perspektive bieten.
Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) und ihr österreichisches Pendant sehen erste Fortschritte bei der Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit in der EU.

Inzwischen hätten alle EU-Länder erkannt, dass es für sie existenziell wichtig sei, jungen Menschen nach der Schule die Erfahrung von Arbeitslosigkeit zu ersparen, sagte der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise der Deutschen Presse-Agentur in einem gemeinsamem Interview mit dem Chef des österreichischen Arbeitsmarkt-Services (AMS). Beide koordinieren im Rat der europäischen Arbeitsagenturen die Zusammenarbeit der nationalen Behörden. Da einige Länder sich bisher zu wenig um ihre Schulabgänger gekümmert hätten, bestehe dort noch großer Nachholbedarf bei der Betreuung, erläuterten die Arbeitsagentur-Chefs. "Wir beide merken gerade, dass die sogenannte Jugendgarantie der EU-Staaten in vielen europäischen Ländern Reformen unterstützt."

Manche Länder müssen erst die Verwaltung vernetzen

Mit ihrer im Sommer 2013 beschlossenen Jugendgarantie haben sich die EU-Länder verpflichtet, jungen Frauen und Männern innerhalb von vier Monaten entweder eine Arbeitsstelle, einen Praktikums- oder einen Weiterbildungsplatz zu beschaffen. Die EU stellt dafür bis 2020 sechs Milliarden Euro bereit. Im Dezember waren in den 28 EU-Staaten laut EU-Statistikbehörde Eurostat im Schnitt 21,4 Prozent der jungen Menschen ohne Job. Am dramatischsten war die Situation in Spanien mit 51,4 Prozent, gefolgt von Griechenland mit 50,6 Prozent (Zahlen vom Oktober). Nach Angaben der beiden Behördenchefs haben inzwischen viele Länder mit dem Aufbau von Registrierungs-Zentren begonnen, um festzustellen, welche Jugendlichen nach dem Ende ihrer Schulzeit Hilfe benötigen. Einige Länder rüsteten die EDV ihrer Arbeitsverwaltungen nach und vernetzten sie landesweit. "Das sind Dinge, die bei uns Standard sind. Aber das gibt es eben in manchen Ländern nicht", sagte Kopf. Auch wachse in den EU-Ländern das Bewusstsein dafür, wie wichtig eine gute Berufsberatung schon während der Schulzeit sei.

Jahrelange Kündigungsverfahren in Italien

Dennoch warnte Weise davor, schnelle Erfolge zu erwarten: "Aus meiner Sicht ist das ein Zehn-Jahres-Programm. Da muss man Geduld haben, an den vereinbarten Linien festhalten und nicht nervös werden", sagte der Bundesagentur-Chef, der den Rat der europäischen Arbeitsagenturen («Board of Public Employment Services») leitet. "Aber es gibt in einigen Ländern schon wirklich ermutigende Fortschritte." Allein der Aufbau einer effektiven Arbeitsmarktverwaltung reicht aber nicht. Um die Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen Jugendlicher zu verbessern, seien Investitionen in Aus- und Fortbildungsmaßnahmen nötig, sagte Kopf. In manchen EU-Ländern behindere auch der starre Kündigungsschutz den Zugang junger Menschen zum Arbeitsmarkt. "In Italien dauert ein durchschnittliches Kündigungsverfahren mehrere Jahre. Da kann ich niemandem verdenken, dass er keinen einstellt."

>> Das könnte Sie auch Interessieren:

Neue Allianz löst den Ausbildungspakt ab

Migranten haben es schwer auf dem Ausbildungsmarkt

Unternehmen locken mit "Ausbildung plus"

Schlagworte zum Thema:  EU, Jugendarbeitslosigkeit

Aktuell

Meistgelesen