06.02.2014 | Ernst & Young

Fachkräftemangel kostet die Unternehmen Milliarden

Fachkräftemangel kostet den deutschen Mittelstand Milliarden.
Bild: Haufe Online Redaktion

In deutschen mittelständischen Unternehmen sind laut einer aktuellen Umfrage mehr als 300.000 Stellen unbesetzt. Das bringt laut Beratungsunternehmen Ernst & Young Umsatzausfälle in Milliardenhöhe.

Wegen fehlender Fachkräfte büßen die deutschen Mittelständler einer Studie zufolge jährlich mehrere Milliarden Euro Umsätze ein. 53 Prozent der jüngst 3.000 befragten Unternehmen beklagten reale Einbußen beim Erlös, weil qualifiziertes Personal fehlt, wie eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Ernst & Young ergab. Hochgerechnet summierten sich die Umsatzausfälle auf 31 Milliarden Euro jährlich.

2014 wird sich das Problem verschärfen

Sechs von zehn Firmen könnten Positionen derzeit nicht besetzen, heißt es weiter. Daraus ergäben sich insgesamt 326.000 offene Stellen. Dabei wollen 28 Prozent der Firmen neue Mitarbeiter einstellen, vor einem halben Jahr waren es nur 18 Prozent. Zwar hat sich die Lage zuletzt wegen der schlechteren Konjunkturaussichten und der Zuwanderung aus Euro-Krisenländern im Vergleich zu den Vorjahren entspannt. Der Anteil der Firmen, die über sehr große Probleme bei der Suche nach neuen Mitarbeitern klage, sei im Vergleich zum Vorjahr von 75 auf 71 Prozent gesunken. Angesichts der positiven Konjunkturaussichten dürfte sich das Problem aber im Jahr 2014 wieder verschärfen. "Immer mehr Unternehmen verpassen Wachstumschancen, weil sie Aufträge ablehnen müssen oder bei Neuentwicklungen und in der Produktion nicht mit der Nachfrage Schritt halten können", sagt Ernst&Young-Partner Peter Englisch.

"Achillesferse des deutschen Mittelstands"

Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), bezeichnete den Fachkräftemangel als "Achillesferse des deutschen Mittelstands". Mindestlohn und die Rentenpläne der Bundesregierung dürften das Problem noch verschärfen, warnte Ohoven. Der Mittelstand fordere deshalb betriebliche, flexible Lösungen bei Mindestlohn und Rente. Außerdem brauche es einen bildungspolitischen Kurswechsel. "Die bisherige staatlich geförderte Akademisierung geht zulasten der dualen Ausbildung, die weltweit anerkannt ist", warnte Ohoven.

Rekrutierung von Azubis wird schwieriger

Die Bedeutung der dualen Ausbildung sei klar, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. "Das Ausland beneidet Deutschland um sein duales Ausbildungssystem." Die Bundesregierung lege bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels neben der Anwerbung ausländischer Fachkräfte und beruflicher Bildung einen besonderen Schwerpunkt auf die Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen. Für diese Firmen werde die Rekrutierung von Auszubildenden und Fachkräften zunehmend schwieriger. Sie seien von der demografischen Entwicklung besonders betroffen.

Bau- und Energiebranche besonders optimistisch

Dabei sehen die Mittelständler ihre Aussichten abseits des Fachkräfteproblems durchaus positiv: Fast jeder zweite Mittelständler rechnet in der Umfrage mit einer Verbesserung der Konjunkturlage in Deutschland. 55 Prozent planen 2014 mit einem Umsatzplus - im Schnitt rechnen sie mit 1,2 Prozent höheren Erlösen. Besonders optimistisch sind die Firmen in der Bau- und Energiebranche. Dort beurteilen 59 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, bei den Industrieunternehmen sind es 45 Prozent.

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Der deutsche Mittelstand

Eine klare Definition für den deutschen Mittelstand gibt es nicht. Die Europäische Union fasst kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nach Mitarbeitern und Umsatzvolumen zusammen. Danach haben mittelgroße Unternehmen weniger als 250 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von maximal 50 Millionen Euro. Der Begriff des Mittelstands beinhalte in Deutschland allerdings sowohl ökonomische als auch gesellschaftliche und psychologische Aspekte, heißt es beim Institut für Mittelstandsforschung (IFM) in Bonn. So seien die positiven Effekte für die Volkswirtschaft insbesondere auf Eigentümer und Geschäftsleitung zurückzuführen. Nach dieser Definition zählten auch große Familienunternehmen zum Mittelstand.

Schlagworte zum Thema:  Fachkräftemangel, Mittelständische Unternehmen

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