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Frauenanteil in Chefetagen bleibt niedrig

Frauen sind in den deutschen Führungsetagen nach wie vor unterrepräsentiert.
Bild: Onyx/F1online

Frauen bleiben in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft weiter die Ausnahme. Nur jeder 25. Vorstandsposten in den 200 umsatzstärksten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors wurde Ende vergangenen Jahres von einer Frau besetzt.

Zwar legt der Anteil seit geraumer Zeit kontinuierlich zu, wie eine seit 2006 jährlich vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erstellte Studie zeigt. Experten geht das jedoch viel zu langsam. "Insgesamt waren die Zuwächse zu gering, fanden bei zu wenigen Unternehmen statt und basierten auf zu geringen Ausgangswerten, um etwas an der überwältigenden männlichen Dominanz in Vorständen und Aufsichtsräten zu ändern", sagte DIW-Forscherin Elke Holst. Sie forderte, mehr Beteiligung von Frauen zum konkreten Ziel in den Unternehmen zu machen.

Gesellschaftliches Phänomen 

Um einen Punkt auf vier Prozent legte der Frauenanteil im vergangenen Jahr zu - in 39 von 970 Geschäftsführungsposten haben Frauen derweil das Sagen. Ende 2006 waren es nur 1,2 Prozent. In über vier von fünf Unternehmen ist hingegen nicht eine einzige Frau auf Führungsebene vertreten. Die Personalchefin der Unternehmensberatung Ernst & Young, Ana-Cristina Grohnert, geht von einem längeren Prozess aus, bis Frauen in den Führungsgremien so akzeptiert sind wie Männer. "Es ist nach wie vor ein gesellschaftliches Phänomen. Auch in den einzelnen Köpfen. Das zu verändern, benötigt einen kulturellen Wandel." In Aufsichtsräten haben Frauen traditionell mehr zu sagen - der Anteil stieg innerhalb eines Jahres um einen Punkt auf jetzt 12,9 Prozent. Laut DIW-Forscherin Holst entsendet die Arbeitnehmerseite einen deutlich höheren Anteil Frauen in die Kontrollgremien.

Vorwiegend im Personalbereich 

In den Dax-Unternehmen geht die Beteiligung von Frauen etwas schneller voran. Nachdem im Jahr 2010 laut DIW nur vier Vorstandsfrauen bei Deutschlands Börsenschwergewichten zu finden waren, sind es derzeit 15 weibliche Vorstände. Die meisten von ihnen tragen Verantwortung für den Bereich Personal. Für Grohnert ein guter Türöffner: "Darüber kann sich auch das Gesamtrollenmodell von Frauen in Führungsverantwortung verändern."

Steinbrück will 40 Prozent erreichen 

Seit Jahren ist die Beteiligung von Frauen in den Chefsesseln ein Politikum. Auch im Bundestagswahlkampf dürfte das Thema dieses Jahr wieder eine Rolle spielen. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück etwa will in fünf Jahren eine Frauenquote von 40 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten erreichen. Die CDU hat auf ihrem Parteitag im Dezember eine sogenannte Flexi-Quote beschlossen, mit der sich Unternehmen freiwillig zu einer Quote verpflichten sollen.

Schlagworte zum Thema:  Frauenförderung, Frauenquote, Führungskräfte, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW

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