04.03.2016 | Überraschende Entwicklung

Die Lohnschere hat sich nicht weiter geöffnet

Die Lohnungleichheit in Deutschland ist zurückgegangen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Hier die Topverdiener, dort die Niedriglöhner - viele Jahre klafften die Löhne in Deutschland immer weiter auseinander. Dieser Trend scheint gestoppt. An der unterschiedlichen Bezahlung von Männern und Frauen hat das aber scheinbar nicht viel geändert.

Der seit Mitte der 1990er Jahren andauernde Trend zu immer weiter auseinanderdriftenden Löhnen in Deutschland ist nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern vorerst gestoppt. Bei Frauen habe sich die Lohnungleichheit seit 2012 sogar erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten wieder verringert. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. "Dieser Trendbruch ist auch für uns überraschend", kommentierte IAB-Chef Joachim Möller das Ergebnis. Die Studie basiert auf den Lohn- und Gehaltsdaten von knapp 600.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland. Nach Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) verdienen Frauen in Deutschland aber noch immer deutlich weniger Geld als Männer.

Mindestlohnauswirkungen noch nicht berücksichtigt

Möller sagte, die Gründe für den Rückgang der Lohnungleichheit seien unklar. Wahrscheinlich spiele ein ganzes Bündel von Faktoren eine Rolle, möglicherweise auch die Einführung von Branchenmindestlöhnen in den vergangenen Jahren. Möglich sei auch eine Änderung der gewerkschaftlichen Tarifpolitik, die in den vergangenen Jahren Beschäftigte mit geringeren Einkünften begünstigt habe. Auch habe sich womöglich der jahrelange Kampf von Frauen für eine im Verhältnis zu Männereinkommen bessere Bezahlung ausgewirkt. Das müsse aber erst noch genauer untersucht werden, machte IAB-Chef Joachim Möller deutlich. Da der Studie nur Lohndaten bis 2014 zugrunde lägen, sei die Auswirkung des seit 2015 geltenden flächendeckenden Mindestlohns noch nicht berücksichtigt. Dennoch schneidet Deutschland nach der IAB-Studie innerhalb Europas bei der Lohngleichheit immer noch schlecht ab. So verdienten 2010 in Deutschland 22 Prozent der Beschäftigten - ohne Auszubildende - weniger als ein Drittel des mittleren Lohns (Median). Lediglich in Lettland, Litauen, Rumänien, Polen, Estland und Zypern geht die Kluft zwischen niedrigen und hohen Einkommen noch weiter auseinander. Am ausgewogensten sind die Verdienste in Schweden.

Schlagworte zum Thema:  Löhne und Gehälter

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