19.12.2014 | Tarifverhandlungen

Das Tarifjahr 2015 beginnt mit "dicken Brocken"

Auch 2015 können wieder Streiks anstehen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Für mehr als 4 Millionen Beschäftigte in Deutschland geht es gleich zu Jahresbeginn um mehr Geld. Im Januar beginnen die Tarifverhandlungen für die deutschen Schlüsselindustrien Chemie mit rund 550.000 Beschäftigten sowie Metall und Elektro, die gleich für rund 3,7 Millionen Beschäftigte stehen.

Die Gewerkschaften ziehen mit Forderungen zwischen 4 und 5 Prozent (IG BCE) und 5,5 Prozent (IG Metall) in die Verhandlungen, die in den vergangenen Jahren viel von den überkommenen Ritualen hinter sich gelassen haben. Nach einer Zusammenstellung des Düsseldorfer WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung werden von Ende 2014 bis Ende 2015 neue Tarife für knapp 11 Millionen Beschäftigte verhandelt, fast genauso viele wie 2014. Weitere Schwergewichte sind der Öffentliche Dienst der Länder und der Einzelhandel in den verschiedenen Bundesländern, für die jeweils die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in die Verhandlungen zieht.

Steigende Löhne sollen Konsum ankurbeln

Als Altlasten aus dem Vorjahr laufen die bislang schon streikträchtigen Tarifkonflikte bei der Deutschen Bahn und der Lufthansa weiter. Bei der Bahn muss das bundeseigene Unternehmen eine ungeliebte Mittlerrolle zwischen den verfeindeten Gewerkschaften GDL und EVG wahrnehmen, um am Schluss zu einigermaßen deckungsgleichen Tarifverträgen zu kommen. Bei der Lufthansa zeichnet sich mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) keine Lösung für den grundsätzlichen Streit um die künftige Unternehmensentwicklung ab. Die Rahmenbedingungen der Tarifverhandlungen: Für die deutsche Volkswirtschaft erwartet die Bundesbank im kommenden Jahr ein Wachstum von 1,0 Prozent und 1,6 Prozent im Jahr 2016. Bei anhaltend niedrigen Energiepreisen könne es sogar noch ein wenig besser laufen. Einer der wichtigsten Träger des Aufschwungs bleibe ungeachtet der internationalen Krisen der private Konsum. Dieser werde von der anhaltend guten Lage auf dem Arbeitsmarkt getragen, schreibt die Bundesbank, die im Sommer wie auch die Europäische Zentralbank deutliche Sympathien für kräftige Lohnabschlüsse so um die 3 Prozent erkennen ließ. Spürbar steigende Löhne sollen für kräftigen Konsum und steigende Preise im stärksten Euroland sorgen, lautet die Hoffnung der Währungshüter, die an der völlig aufgedrehten Zinsschraube kaum noch Einflussmöglichkeiten besitzen.

IG Metall will Teilzeitmodelle für Weiterbildung

Die Entwicklung in diesem Jahr scheint in diese Richtung zu gehen: Bis zur Jahresmitte lagen die Reallöhne, also die Bezüge nach Abzug der Preissteigerung, dem Statistischen Bundesamt zufolge schon um 1,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Bei den Tariflöhnen konnten die Beschäftigten ein reales Plus von rund 2 Prozent verbuchen, hat eine Auswertung der Verträge durch das WSI-Traifarchiv ergeben. Die IG Metall will sich aber nicht mit einer reinen Lohnrunde zufriedengeben und verlangt neben flexiblen Übergängen in die Rente auch neuartige, von den Arbeitgebern finanzierte Teilzeitmodelle für Mitarbeiter, die sich weiterbilden wollen. Gesamtmetall hat derlei Ansinnen bislang rigoros abgelehnt und stattdessen auf die acht Milliarden Euro verwiesen, die man jährlich für die Weiterbildung der Mitarbeiter ausgebe. Es sei schlichtweg "überflüssig, das tariflich zu regeln", sagte Arbeitgeberchef Rainer Dulger.

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Schlagworte zum Thema:  Tarifvertrag , Gewerkschaft, Tarifverhandlung

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