| Führungsaufgabe

Compliance ist nicht nur ein Konzernthema

Compliance ist eine typische Führungsaufgabe.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Viele Unternehmen behandeln Compliance immer noch als eine rein juristische Angelegenheit. Damit stehen sich gerade Mittelständler bei der Suche nach guten Compliance-Mitarbeitern selbst im Weg.

Martin Luther hat es einmal so gesagt: „Der Jurist, der nicht mehr ist als ein Jurist, ist ein arm Ding.“ Was das Thema Compliance angeht, kann man dem Reformator auch ein halbes Jahrtausend später nur zustimmen. Denn mag ein Jurist, der „nur“ Jurist ist, gewiss keine Probleme haben, die Bedeutung von Gesetzen, Richtlinien und freiwilligen Verpflichtungen zu ermessen – mit der Umsetzung in Prozesse und deren Kontrolle dürfte er ohne betriebswirtschaftliches Know-how in der Regel sehr wohl schwer zu kämpfen haben.

Keine Zusatzaufgabe für Hausjuristen

Dennoch herrscht gerade in kleineren Betrieben nach wie vor die falsche Ansicht, dass Compliance nur ein Konzernthema und in der Rechtsabteilung ganz gut aufgehoben sei. Folge: Die unternehmensweite Einhaltung von Compliance-Vorgaben wird entweder vernachlässigt oder dem Hausjuristen als Zusatzaufgabe aufs Auge gedrückt. Wohlgemerkt: Es werden weiterhin Juristen benötigt, etwa um die Auswirkungen von EU-Regulierungsvorschriften zu beurteilen und in interne Richtlinien zu überführen. Die Umsetzung ist dann aber auch ohne juristisches Prädikatsexamen möglich. Im Gegenteil: Häufig ermöglicht erst das Wissen aus der betriebswirtschaftlichen Praxis den richtigen Blickwinkel.

Schon ein falscher Übergabeort kann Risiko sein
Ein gutes Beispiel ist die Compliance-Prüfung eines Angebots, bevor dieses an den Kunden rausgeht. Ohne das entsprechende Wissen und den praktischen Erfahrungsschatz ist es nahezu unmöglich zu erkennen, wo in einem Angebot zum Beispiel Verstöße gegen die in vielen Unternehmen verpflichtenden Kalkulationsrichtlinien drohen oder größere Länderrisiken lauern: So kann eine Firma schon durch die Vereinbarung des falschen Übergabeorts für eine Ware in nicht compliance-konforme Verwicklungen geraten. Kenntnisse über Lieferketten und Handelsusancen helfen, Verstöße zu vermeiden.

Prozessoptimierer und Krisenmanager in einer Person
Der oft gehörte Einwand, dieses Wissen könnten sich Juristen über eine betriebswirtschaftliche Zusatzausbildung relativ schnell aneignen, ist theoretisch zwar in den bereits aufgezeigten Grenzen berechtigt, geht aber an der Realität vorbei. Sind Akademiker mit diesem Profil doch auf dem Arbeitsmarkt kaum zu bekommen und gerade für viele Mittelständler nicht zu bezahlen. Da trifft es sich gut, dass ein guter Compliance-Beauftragter auch aus dem Controlling oder dem Qualitäts- und Audit-Management rekrutiert werden kann. „Idealerweise ist der Compliance-Beauftragte Prozessoptimierer, Präventionsbeauftragter und Krisenmanager in einer Person“, definiert der Compliance-Experte Dr. Mark Zimmer von der Anwaltskanzlei Gibson Dunn das Berufsbild, das gerade für Nicht-Juristen alle Karrieremöglichkeiten bietet.

Klassische Führungsaufgabe
Diese Loslösung vom „Standardprofil“ des gestandenen Juristen mit BWL-Zusatzausbildung macht die dringend gebotene Auseinandersetzung mit dem Thema Compliance auch für mittelständische Firmen bezahlbar. Mehr noch: Aufgrund der stärkeren Praxisorientierung der Compliance-Manager wird nunmehr eine engere Verzahnung von Compliance- mit Managementaspekten möglich. Damit wird Compliance das, was es im Idealfall in jedem Unternehmen sein sollte: eine klassische Führungsaufgabe.

Der Autor Bernhard Walter ist als Associate-Partner verantwortlich für die Practice Group Legal & Compliance bei der Personalberatung Rochus Mummert Management Search in München.
Info: www.rochusmummert.de

Schlagworte zum Thema:  Compliance, Compliance-Beauftragter

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