09.05.2012 | Top-Thema Burnout

Krankheitsbilder

Kapitel
Müdigkeit, mangelnde Motivation und Erschöpfungszustände sind häufig Anzeichen für Überlastung.
Bild: Haufe Online Redaktion

Beschäftigte in sozialen Berufen klagten schon vor Jahrzehnten darüber, "ausgebrannt" zu sein. 1974 gab der amerikanische Psychologe Freudenberger diesem Phänomen den Namen Burnout-Syndrom. Mittlerweile sind die Symptome und Krankheitsbilder in allen Berufen bekannt.

Wie bei vielen psychischen Krankheiten sind offizielle Zahlen auch für Burnout kaum verfügbar. Beschwerdebilder, die durch aktuelle Zeitströmungen und gesellschaftliche Veränderungen zugenommen oder sich neu definiert haben, sind bisher wenig erfasst. Doch Schätzungen  gehen davon aus, dass in Deutschland bereits jeder sechste darunter leidet. Bei Lehrern sollen es 25 Prozent sein, eine Studie der Universität Potsdam spricht gar von 60 Prozent.

2006 wurde Burnout vom Landgericht München zum ersten – und bislang einzigen – Mal als Berufskrankheit anerkannt. In diesem Streitfall ging es um die Zahlung einer Berufsunfähigkeitsrente. Ein Manager hatte auf Anraten von Fachärzten seinen Beruf nach einem Zusammenbruch aufgegeben.

Psychische Belastungen gibt es in nahezu jedem Beruf. Auffällig ist jedoch, dass die Ausfalltage wegen psychischen Beschwerden kontinuierlich steigen und bereits Platz vier in der Statistik einnehmen. Die Ursachen sind dabei fast immer dauerhaft hohe körperliche oder geistige Anforderungen im Beruf, kombiniert mit überhöhten eigenen und/oder gesellschaftlichen Ansprüchen. Treffen schlechte Arbeitsbedingungen und extreme persönliche Eigenschaften aufeinander und fehlen außerdem soziale Kontakte, dann steigt das Burnout-Risiko stark an. Der Verlauf ist schleichend und kann sich in Phasen über Wochen oder Jahre hinziehen.

Aufgrund beruflicher Überbelastung sind bislang drei Krankheitsbilder bekannt:

  • Neurasthenie,
  • Depression und
  • Burnout-Syndrom.


Ihre Symptome überschneiden sich häufig, was die differenzierte Diagnose erschwert.

Unter "Syndrom" versteht man ein Krankheitsbild mit mehreren Symptomen. Beim Burnout-Syndrom sind das unter anderem:

  • sinkende Leistungsfähigkeit: Wer sich nicht erholen kann, erschöpft körperlich, emotional und mental
  • steigende Demotivation
  • Zynismus.

Die Ausfallzeiten bei psychischen Krankheiten sind vergleichsweise lang – oft länger als sechs Wochen. Ein Grund dafür liegt darin, dass die Betroffenen lange Zeit nicht wahr haben wollen, dass sie krank sind. Dazu kommt, dass psychische Beschwerden noch immer stigmatisiert werden und viele den Gang zum Psychologen oder Psychotherapeuten scheuen. So kommt es, dass Burnout recht spät festgestellt wird. Dadurch ergeben sich lange Behandlungszeiten. Präventive Maßnahmen können helfen, dass psychische Belastungen verhindert werden und krankhafte Folgen ausbleiben.

Das Arbeitsleben hat sich zuletzt schnell stark verändert, unter anderem durch Globalisierung, alternde Erwerbsbevölkerung oder Outsourcing. Lange Arbeitszeiten, mehr Arbeit für weniger Beschäftigte und unsichere Arbeitsplätze sind die Konsequenzen. Das belastet körperlich und seelisch. Für das Burnout-Syndrom können solche äußeren Faktoren eine Rolle spielen.

Einzelne Stressfaktoren lassen sich allerdings noch bewältigen. Doch kommen mehrere zusammen, kann das den Stärksten in die Knie zwingen. Nach und nach lässt die Arbeitsleistung nach: Sie kann bis auf 60 Prozent sinken. Das kann auch die Kollegen gefährden, denn sie müssen mehr Arbeit übernehmen und riskieren, sich selbst zu überlasten. So breitet sich das Burnout-Syndrom in der Belegschaft aus.

Schlagworte zum Thema:  Zeitmanagement, Burn-out-Syndrom

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