26.10.2012 | Bundestag

Minijob-Verdienstgrenze steigt auf 450 Euro

Minijobber dürfen künftig 450 Euro verdienen.
Bild: Julien Christ ⁄

Minijobber dürfen künftig 450 Euro im Euro verdienen, außerdem landen sie automatisch in der Rentenversicherung. Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbände fürchten trotzdem ein wachsendes Armutsrisiko.

Die Verdienstobergrenze für die rund sieben Millionen Minijobber in Deutschland steigt von 400 auf 450 Euro. Das beschloss der Bundestag mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen. SPD, Linke und Grüne stimmten geschlossen dagegen. Auch von Gewerkschaften und Sozialverbänden kam scharfe Kritik. Flankiert werden soll die Neuregelung, die der Bundesrat noch aufhalten kann, von einer Versicherungspflicht für die gesetzliche Rentenversicherung. Daraus können sich die Minijobber auf Antrag aber befreien lassen. Die Bundesregierung rechnet damit, dass etwa 90 Prozent der Betroffenen davon Gebrauch machen werden.
DGB warnt vor Altersarmut
Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbände nannten die Anhebung der Verdienstgrenze unverantwortlich, weil damit die Nische für unterbezahlte und schlecht abgesicherte Arbeit ausgeweitet werde. Der DGB warnte, Minijobber seien schon heute akut armutsgefährdet. "Und sie gehören zu den Hauptrisikogruppen für spätere Altersarmut." Die Arbeiterwohlfahrt sprach von falschen Anreizen, die IG Bau verlangte, Minijobber ab dem ersten Euro in den Sozialversicherungsschutz einzubeziehen.
"Biographische Sackgasse"
Die Verdienstobergrenze war seit dem Jahr 2003 nicht mehr angehoben worden. Im Bundestag votierten in namentlicher Abstimmung 315 Abgeordnete von Union und FDP für die Neuregelung, 268 Parlamentarier der Opposition stimmten dagegen. Die Erwartung, dass das Einkommen der Minijobber durch die Anhebung steigt, ist nach Einschätzung der Opposition abwegig. Im Schnitt erhielten Minijobber nicht 400, sondern nur 220 Euro, sagte die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Anette Kramme. Viele Minijobber - davon die Mehrzahl Frauen - landeten erfahrungsgemäß in einer "biografischen Sackgasse". Für die Kritiker sind Minijobs schlicht "Niedriglohnfallen".
Inflationsausgleich geschaffen
Der arbeitsmarkt- und sozialpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Karl Schiewerling (CDU), verteidigte die Neuregelung: Damit werde ein Inflationsausgleich und "ein Stück Gerechtigkeit" geschaffen. Er hoffe, dass viele Minijobber die Chance zum Eintritt in die Rentenversicherung nutzten, da sie damit Zugang zu Rentenanwartschaften, zur Erwerbsminderungsrente, zur Rehabilitation und zum Riestersparen erhielten.
Grüne: Brücke in den Arbeitsmarkt hat versagt
Für die Linksfraktion forderte Diana Golze die komplette Abschaffung der Minijobs. "Nicht die Löhne der Minijobber werden steigen, sondern deren Zahl", kritisierte sie. Altersarmut sei für Minijobber vorprogrammiert. Daran ändere auch die neue Pflicht zur Rentenversicherung nichts: Nach 45 Jahren im 450-Euro-Minijob gebe es am Ende nur eine Rente von 205,70 Euro. Nach den Worten der Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer haben Minijobs als Brücke in den regulären Arbeitsmarkt versagt. Redner der Koalition verwahrten sich dagegen, geringfügige Beschäftigung zu skandalisieren. Dies sei unredlich, da es in allen Fraktionen - selbst bei den Linken - 400-Euro-Jobs gebe, sagte der FDP-Abgeordnete Sebastian Blumenthal. Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Johannes Vogel, wies den Vorwurf des Lohndumpings zurück: "Minijobs haben im Regelfall mit Niedriglohn nichts zu tun", sagte er unter Berufung auf das Statistische Bundesamt. "Minijobs sind gewollt und werden gebraucht."

Schlagworte zum Thema:  Minijob-Reform, Bundestag, Altersarmut, Minijob

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