30.12.2013 | Arbeitsmarkt

BDA-Präsident Kramer hält Vollbeschäftigung für möglich

So soll es bleiben: leere Flure im Arbeitsamt.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Deutschlands "Jobwunder" soll sich fortsetzen: Arbeitgeberpräsident Kramer und der Chef der Bundesagentur für Arbeit Weise halten bei richtiger Weichenstellung Vollbeschäftigung noch in diesem Jahrzehnt für möglich.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hält Vollbeschäftigung in Deutschland noch in diesem Jahrzehnt für möglich. Voraussetzung sei, dass alles daran gesetzt werde, auch Geringqualifizierten und Langzeitarbeitslosen wieder eine Chance auf Beschäftigung zu geben, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. "Vollbeschäftigung ist möglich, wenn jetzt die Weichen richtig gestellt werden", lautet Kramers Appell an die politisch Verantwortlichen. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise will die Zahl der Jobsuchenden von derzeit 2,8 Millionen auf 1,5 Millionen nahezu halbieren, wie er der dpa sagte.  Im November lag die Arbeitslosenquote bei 6,5 Prozent. Viele Ökonomen sprechen bereits bei Werten unter vier oder fünf Prozent von Vollbeschäftigung.

Kein großes Beschäftigungsplus zu erwarten

Für 2014 sieht Kramer die Entwicklung am Arbeitsmarkt weiterhin positiv. "Ich gehe von einem erneuten Anstieg der Beschäftigung aus. Allerdings wird die Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr wohl trotz steigender Beschäftigung allenfalls noch geringfügig sinken", sagte der BDA-Präsident. Laut Branchenumfrage des Institutes der deutschen Wirtschaft (IW) gehen die Unternehmen mit großem Optimismus ins neue Jahr. "Schon lange nicht mehr hat die deutsche Wirtschaft so positiv in die Zukunft geschaut", sagte IW-Direktor Michael Hüther. "Ein großes Beschäftigungsplus ist damit aber nicht verbunden", schränkt auch das IW ein. Die Zahl der Verbände, die einen Personalaufbau beziehungsweise -abbau erwarten, halte sich die Waage.

Null Prozent Arbeitslosigkeit nicht möglich

Auch für BA-Vorstandschef Weise sind Hilfen für schlecht qualifizierte und längere Zeit arbeitslose Menschen der Schlüssel für einen weiteren Abbau der Arbeitslosigkeit. Einen zeitlichen Horizont für die Marke von 1,5 Millionen nannte er nicht. Alle Menschen in Arbeit zu bringen, hält er für kaum möglich - schon deshalb, weil es immer Menschen geben wird, die bei einem Stellenwechsel vorübergehend arbeitslos sind. Außerdem: "Wir werden immer Menschen haben, die den Anforderungen nicht gerecht werden", sagte er.

DGB: Zu viele prekär Beschäftigte

DGB-Chef Michael Sommer kritisierte, dass zu viele Menschen für nicht auskömmliche Löhne arbeiten müssten. Werde über den Abbau von Arbeitslosigkeit oder gar über Vollbeschäftigung geredet, denke er "an sozialversicherungspflichtige Vollarbeitsplätze, von denen man leben kann. Es nützt uns überhaupt nichts, die Zahl der Niedriglöhner und Teilzeitbeschäftigten immer weiter zu erhöhen", sagte Sommer der dpa. "Wenn acht Millionen Menschen in Deutschland prekär beschäftigt sind, dann sind das acht Millionen zu viel", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes. "Und wir können uns nicht damit zufrieden geben, dass knapp drei Millionen Menschen arbeitslos sind, zumal wir eine zusätzliche verdeckte Arbeitslosigkeit von mindestens einer Million haben."

Jeder zweite Arbeitslose sucht Stelle als Hilfskraft

BA-Chef Weise räumte ein, dass schon der Weg zu einer Halbierung der derzeitigen Arbeitslosigkeit schwierig genug sei. "Es gibt Entwicklungen, die spielen komplett dagegen." So gebe es in der Jobdatenbank der Bundesagentur lediglich 16 Prozent offene Stelle für Hilfskräfte. Gesucht würden solche Stellen aber von jedem zweiten Arbeitslosen; vielen Erwerbslosen fehlt es an der erforderlichen Schul- und Berufsausbildung. Bei vielen erschwerten auch Probleme im privaten Umfeld eine Jobvermittlung, manche müssten nach langer Arbeitslosigkeit erst wieder an einen Acht-Stunden-Tag gewöhnt werden.

Anforderungen im Job steigen immer weiter

Auch Kramer sieht den Grund für den nach seiner Einschätzung nur noch schleppenden Abbau der Arbeitslosigkeit vor allem darin, dass die Anforderungen an Bewerber und das Profil vieler Arbeitsloser immer öfter nicht zusammenpassten: Nur jede siebte offene Stelle setze keinen Berufs- oder Hochschulabschluss voraus, aber fast die Hälfte der Arbeitslosen sei geringqualifiziert. "Wir müssen alle unsere Anstrengungen intensivieren, um die große Lücke zwischen angebotenen und nachgefragten Qualifikationen zu verringern."

Positive Bilanz der Spätstarter-Initiative

Die BA zieht derweil eine positive Jahresbilanz ihrer Spätstarter-Initiative: 31.000 junge Arbeitslose ohne Berufsabschluss haben demnach 2013 eine Ausbildung begonnen. Junge Erwachsene ohne Berufsabschluss kämpften "mit großen Hürden im Arbeitsleben", sagte BA-Vorstand Heinrich Alt. "Jeder von ihnen hat noch 30 bis 40 Jahre bis zur Rente und verdient eine zweite Chance." 1,5 Millionen junge Menschen zwischen 25 und 35 Jahren haben dem Bericht zufolge keinen Beruf erlernt, die Hälfte sei arbeitslos und habe nur Chancen als Hilfskräfte, Minijobber, befristet oder als Zeitarbeiter.

Schlagworte zum Thema:  Geringqualifizierte, Arbeitslosigkeit, Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), Arbeitsmarkt, Arbeitsamt, Bundesagentur für Arbeit

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