| Bauwirtschaft

Schwarzarbeit in Deutschland geht zurück

Die Schwarzarbeit auf dem Bau hat abgenommen.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die gute konjunkturelle Situation und steuerliche Anreize haben dafür gesorgt, dass deutschlandweit die Schwarzarbeit zurückgeht. Im Südwesten wird  besonders selten ohne Rechnung gearbeitet. Dafür versuchen Unternehmen, ihre Kosten mit Hilfe von Scheinselbstständigen zu drücken.

Die Bauunternehmen im Südwesten leiden nach Einschätzung ihres Branchenverbands immer weniger unter billiger Konkurrenz durch Schwarzarbeit. Neben der guten wirtschaftlichen Lage wirke sich die Regelung aus, dass Kunden Handwerkerrechnungen von der Steuer absetzen können. «Da überlegt manch' einer, ein legales Unternehmen zu beauftragen und die Rechnung abzusetzen, anstatt jemanden illegal zu beschäftigen», sagte der Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Dieter Diener, der Nachrichtenagentur dpa.

12,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts

Mit diesem Rückgang bei der Schwarzarbeit liegt der Südwesten im Bundestrend. Deutschlandweit werden nach einer Prognose des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz in diesem Jahr voraussichtlich 338,5 Milliarden Euro durch Schwarzarbeit erwirtschaftet. Das entspräche 12,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - 0,2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Zahlen für Baden-Württemberg gibt es nicht. Allerdings deuten Experten zufolge bestimmte Faktoren wie die niedrige Arbeitslosigkeit und die gute wirtschaftliche Situation darauf hin, dass Schwarzarbeit im Südwesten eine geringere Rolle spielt als bundesweit. Denn wenn es viele gut bezahlte sozialversicherungspflichtige Jobs gibt, lohnt sich Schwarzarbeit nicht so sehr. "In Baden-Württemberg gibt es einen starken Wettbewerb um Arbeitskräfte. Das heißt für uns, dass wir bessere Konditionen bieten müssen, damit wir Arbeitskräfte zum Beispiel nicht an Daimler verlieren", sagt Diener.

Probleme mit kleinen Ein-Mann-Betrieben

Probleme gibt es laut Handwerksverband hingegen bei Berufen, in denen Handwerker ohne Meistertitel ihre Dienste anbieten dürfen. Dadurch habe sich die Zahl kleiner Ein-Mann-Betriebe vervielfacht, sagt Stefan Schütze vom Baden-Württembergischen Handwerkstag. "Die bieten ihre Leistungen oft extrem billig an und machen die Preise kaputt. Ein Meisterbetrieb, der seine Arbeit gut machen will und für seine Angestellten alle Abgaben entrichtet, kann da nicht mithalten."

Scheinselbstständige machen Preise kaputt

Auch der Zoll beobachtet diese Entwicklung. Denn solche Ein-Mann-Betriebe, die als Scheinselbstständige oft doch von einem festen Auftraggeber abhängig seien, müssen sich weder an einen Mindestlohn halten, noch haben sie Ansprüche auf Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Urlaub. Das ist zwar keine Schwarzarbeit im engeren Sinne, weil solche Kleinstbetriebe ihrem Auftraggeber in der Regel ganz regulär eine Rechnung schreiben. Trotzdem geht es auch dort darum, Sozialabgaben zu umgehen. "Gerade im Niedriglohnbereich sind Menschen bereit, solche illegalen Methoden anzuwenden", sagt Thomas Seemann vom Hauptzollamt Stuttgart. "Das ist bei größeren wie kleineren Bauvorhaben ein Problem."

Experten erwarten wieder mehr Schwarzarbeit

Bundesweit erwarten die Experten des IAW in den kommenden Jahren durch den Kurs der schwarz-roten Bundesregierung wieder einen Anstieg der Schwarzarbeit. Die Pläne für einen gesetzlichen Mindestlohn und die Rente mit 63 machen legale Arbeit teurer und somit Schwarzarbeit attraktiver. Zu den großen Verlierern von Schwarzarbeit zählen der Staat und die Sozialversicherungsträger, denen bundesweit Schätzungen zufolge rund 50 bis 60 Milliarden Euro Einnahmen pro Jahr verloren gehen.

>> Lesen Sie auch: Schwarzarbeit muss nicht bezahlt werden

Schlagworte zum Thema:  Schattenwirtschaft, Scheinselbstständige, Handwerk, Schwarzarbeit

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