03.01.2013 | BA-Chef Weise

Deutschland muss familienfreundlicher werden

Deutschen Firmen müssen mehr für die Kinderbetreuung tun.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Flexiblere Arbeitszeiten und Kita-Ausbau - für Arbeitsagentur-Chef Weise müssen Beruf und Familie besser miteinander vereinbar werden. Gefragt ist nicht nur die Politik, sondern auch die Wirtschaft.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sieht Nachholbedarf bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Junge, gut ausgebildete Frauen wollten beides miteinander verbinden, sagte Weise dem ZDF-Nachrichtenportal heute.de. "Wir beobachten an jungen Menschen, dass sie eine andere Vorstellung von Beruf und Freizeit haben. Das heißt, kein Abstrich an der Leistungsfähigkeit, aber mehr Selbstbestimmung, wann man was macht." Der Fachkräftemangel werde Unternehmen zwingen, auf diesen Wunsch der Beschäftigten einzugehen. Das wird die Arbeitswelt verändern."

Skandinavische Länder als Vorbild 

Skandinavische Länder könnten dabei ein Vorbild sein. "Hier geht es um die Anerkennung der Tatsache, dass gute Arbeit nicht automatisch bedeutet, dass man ewig am Platz ist", sagte Weise. "Das braucht ein wenig Zeit, das kommt unweigerlich und das ist auch gut so." Alles, was helfe, dass Beruf und Familie miteinander vereinbart werden könnten, sei gut. "Der Ausbau von Kindertagesstätten ist unbestritten gut. Die anderen Instrumente, wie beispielsweise das Betreuungsgeld, muss man beobachten und dann sehen, ob es hilft oder nicht hilft."

Kinderbetreuung nicht nur Staatsaufgabe 

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder forderte von den Unternehmen mehr Engagement beim Kita-Ausbau. "Das Wehklagen über den Fachkräftemangel steht im Widerspruch zur Haltung mancher Wirtschaftsfunktionäre, die den Kita-Ausbau nur als Staatsaufgabe betrachten", sagte sie der "Welt am Sonntag". Wer für junge Frauen als Arbeitgeber attraktiv sein wolle, müsse das Thema Betriebskita ernst nehmen. "Große Konzerne sollten das zumindest an ihren größeren Standorten zum Standard machen, und auch kleinere Firmen können sich gut zu mehreren zusammenschließen und gemeinschaftlich eine Betriebskita betreiben." DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann sagte der Zeitung, die Hauptverantwortung bei der Kinderbetreuung liege beim Staat. "Jeder dritte Betrieb unterstützt seine Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung heute schon. Weitere befinden sich bereits in der Planungsphase, so dass hier bald jeder zweite Betrieb aktiv sein wird."

Viele Dax-Unternehmen weiten Angebot aus 

Zahlreiche Dax-Unternehmen wollen der "Welt am Sonntag" zufolge in den nächsten Jahren die Kinderbetreuung deutlich ausbauen. Mehr eigene Angebote sowie Belegplätze planten bis Ende 2013 Adidas (von derzeit 12 auf 110), BASF (von 214 auf 394), Beiersdorf (von 56 auf 100), Henkel (von 160 auf 240), Lanxess (von 50 auf 100), SAP (von 220 auf 300) und ThyssenKrupp (von 90 auf 130), berichtet die Zeitung unter Berufung auf eine Umfrage bei Dax-Konzernen. Bis 2014 will demnach die Commerzbank das Angebot von 260 auf 340 Plätze ausbauen, beim Autobauer Daimler soll die Zahl von 470 auf 570 Plätze steigen. Bis 2015 will Siemens sein Angebot von aktuell 1.100 Plätzen auf 2000 ausweiten. Konkrete Ziele zum Ausbau von eigenen Angeboten sowie dem Kauf von Belegplätzen haben dem Bericht zufolge auch Linde (von 37 auf mindestens 44 Plätze) und RWE (von 164 auf 290). BMW plane in München eine neue Betreuungseinrichtung mit mindestens 100 Plätzen, schreibt die Zeitung.

 

Ab 1. August 2013 gilt in Deutschland ein Rechtsanspruch auf ein Betreuungsangebot für unter Dreijährige. Allerdings gab es zuletzt Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge eine Betreuungslücke von 220.000 Plätzen.

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Schlagworte zum Thema:  Kinderbetreuung, Familienförderung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Betreuungsplätze

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