23.08.2016 | Bundesagentur für Arbeit

Assistierte Ausbildung stößt auf wachsendes Interesse

Viele Auszubildende brechen ihre Lehre nicht aus Desinteresse an der Arbeit ab, sondern aus Frust über die schlechte Gesprächskultur im Betrieb.
Bild: Bosch

Das von der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Vorjahr gestartete Modell der assistierten Lehrlings-Ausbildung für schwächere Azubis stößt auf wachsendes Interesse bei Betrieben und jungen Menschen. Bereits im ersten Jahr haben Angaben der BA zufolge 4.800 Jugendliche von dem Projekt profitiert.

5.400 Plätze hatte die Bundesagentur im Ausbildungsjahr 2015/2016 bereitgestellt. Im neuen Lehrjahr, das im September beginnt, sollen bis zu 7.350 Auszubildende im Rahmen des Projekts betreut werden können, berichtet die BA in einer ersten Zwischenbilanz, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Das Modell war im August 2015 gestartet. "Wir setzen große Erwartungen in das Instrument der assistierten Ausbildung. Und die bislang vorliegenden Eintrittszahlen stimmen uns auch sehr optimistisch", sagte eine BA-Sprecherin. Angaben zur Abbrecherquote lägen derzeit aber noch nicht vor.

Aufwändige Betreuung der Lehrlinge

Vor allem bei den Arbeitgebern will die BA in den kommenden Monaten verstärkt für das Modell werben. Angesichts der vielen unbesetzten Lehrstellen könnten es sich Betriebe nicht leisten, "auf das wertvolle Potenzial junger Menschen zu verzichten - auch wenn diese auf den ersten Blick nicht den Idealvorstellungen entsprechen", heißt es in einer Mitteilung. Inzwischen zeigten auch die Bundesländer zunehmend Interesse an dem Projekt, berichtete die Sprecherin der Agentur. Derzeit beteilige sich bereits Sachsen-Anhalt mit Mitteln aus dem Landeshaushalt. Mit dem Hamburger Senat liefen Gespräche. Andere Länder wie Bayern und Sachsen planten eigene Konzepte. Interesse bestehe auch bei anderen Bundesländern; dort fehle es aber teils am Geld für die aufwändige Betreuung der Lehrlinge.

Professionelle Betreuung und Begleitung

Bei der assistierten Ausbildung steht dem Jugendlichen und dem Ausbildungsbetrieb meist ein Berufsbildungswerk zur Seite. Lehrlinge, die wegen Lernschwierigkeiten die Lehre allein kaum durchstehen würden, werden dabei von einem professionellen Betreuungsteam unterstützt. So erhalten sie drei Mal pro Woche Nachhilfeunterricht. Die Betreuer schalten sich auch ein, wenn es im Betrieb Probleme gibt, helfen bei Prüfungsstress, achten auf Pünktlichkeit der Jugendlichen. Und sie greifen klärend ein, wenn sich ein Azubi etwa auffallend oft krank meldet. Wichtig sei dabei der Kontakt zur Familie des Jugendlichen. Viele Auszubildende brechen ihre Lehre nicht aus Desinteresse an der Arbeit ab, sondern aus Frust über die schlechte Gesprächskultur im Betrieb. Das geht aus einer von der Vodafone Stiftung geförderten Studie des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen hervor.

Schlagworte zum Thema:  Berufliche Ausbildung, Betriebliche Ausbildung, Ausbildung

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