Mehr als die Hälfte der Berufstätigen in Deutschland arbeiten nach Feierabend weiter, zeigt eine IZA-Studie. Bild: Drobot Dean - Fotolia

Raus aus dem Büro, rein in den Feierabend. So einfach funktioniert die heutige Arbeitswelt wohl nicht mehr. Denn gerade nach Dienstschluss wird immer mehr gearbeitet, wie eine neue Studie feststellt – eine Herausforderung für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Arbeitsrechtler.

"Noch 148 Mails checken; wer weiß, was mir dann noch passiert, denn es passiert so viel", sang der Liedermacher Tim Bendzko schon vor sieben Jahren. Mit der Digitalkommunikation Schritt zu halten, ist heute für immer mehr Arbeitnehmer eine große Herausforderung. Was nicht während der Arbeitszeit geschieht, passiert in der Freizeit - beides lässt sich kaum mehr voneinander trennen. Das belegen Ergebnisse einer neuen Studie zu Work-Life-Blending des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Für die Untersuchung hat das IZA 1.808 Beschäftigte zwischen 25 und 54 Jahren befragt sowie zusätzlich die Angaben von 1.967 Nutzern des Karrierenetzwerks Xing ausgewertet.

Work Life Blending: Fließende Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit

Der Untersuchung zufolge sagen knapp 63 Prozent der Befragten, dass sie sich auch in ihrer Freizeit mit der Arbeit beschäftigen. Unter den Xing-Nutzern waren es sogar mehr als 87 Prozent. Die Arbeitnehmer beantworten demnach zum Beispiel Dienst-Mails nach Feierabend oder beschäftigen sich mit einschlägiger Fachliteratur und Informationsmaterial, um sich auf die Herausforderungen im Job einzustellen. So verbringen knapp 22 Prozent der Arbeitnehmer in ihrer Freizeit zwei Stunden pro Woche mit Tätigkeiten, die eigentlich zu ihrer Arbeit gehören. Bei mehr als einem Viertel (26 Prozent) sind es zwischen drei und zehn wöchentliche Arbeitsstunden nach Feierabend. 13 Prozent der Beschäftigten arbeiten sogar bis zu zwanzig oder mehr Stunden nach Dienstschluss.

Kann man Arbeitszeit noch richtig erfassen?

Mit Blick auf die Studienergebnisse stellt Hilmar Schneider, der Leiter des IZA, außerdem fest, dass Wissensarbeit und auch das berufliche Netzwerken zunehmend außerhalb des Arbeitsplatzes stattfinden. "Die Messbarkeit der Arbeitszeit gerät damit zur Illusion", sagt Schneider. Das Arbeitszeitgesetz gehe jedoch nach wie vor davon aus, dass sich die Arbeitszeit eindeutig messen lasse. Eben das werde allerdings immer schwieriger, wenn die Mitarbeiter verstärkt in ihrer Freizeit arbeiten. Langfristig bestehe somit die Gefahr, dass das Arbeitszeitgesetz seine Wirksamkeit als Schutzmechanismus gegen Überlastung im Berufsleben verliert.


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New Work in der Diskusion

Die neuen Verhältnisse in der Arbeitswelt machten schon deshalb eine grundsätzliche Debatte über die Definition von Arbeit notwendig, glaubt Schneider. Insgesamt nähere sich die abhängige Beschäftigung immer mehr der selbstständigen Arbeit an. Gerade dieser Umstand könne die Belastung im Arbeitsleben auf lange Sicht erheblich steigern, warnt der IZA-Leiter. Nun seien völlig neue Lösungsansätze gefragt - mit Forderungen wie einem Verbot von beruflichen Mails außerhalb der Bürozeiten sei den aktuellen Problemen nicht mehr beizukommen. 

Mit einem solchen Vorstoß hatte jüngst der Porsche-Betriebsrats-Chef die Debatte um die ständige Erreichbarkeit angefacht - er wollte dienstliche Mails nach Feierabend löschen lassen.  


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Schlagworte zum Thema:  New Work, Arbeitszeitgesetz, Work-Life-Balance

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