15.12.2014 | Arbeitsmarkt

Zeitarbeitsfirmen in der Fachkräfte-Falle

Auch die Zeitarbeitsbranche leidet unter dem Fachkräftemangel.
Bild: Michael Bamberger

Mangel an Fachkräften treibt nicht nur die Unternehmen um. Auch die Zeitarbeitsfirmen trifft das Problem. Die Branche setzt daher verstärkt auf Nischen und neue Geschäftsfelder - oder bildet ihre Mitarbeiter selber weiter.

Hinfahren, wecken, zur Arbeit bringen: Wenn Nicole Munk, Geschäftsführerin der Karlsruher Zeitarbeitsfirma Synergie Personal Deutschland, zufriedene Kunden haben will, muss sie ihre Mitarbeiter immer öfter ganz eng an die Hand nehmen. Wer am Arbeitsplatz des Kunden nicht auftaucht, wird angerufen, aufgesucht, sogar abgeholt, um den Zeitarbeitsnehmer an seine Arbeitsstelle zu bringen. "Der Zeitaufwand für das gleiche Ergebnis ist viel größer geworden", sagt sie. Woran das liegt? "Ganz klar am Mangel von geeigneten Arbeitskräften." Fachkräfte fehlen genauso wie ungelernte Mitarbeiter - und die Zeitarbeitsbranche trifft es besonders hart. Die kleinen Anbieter - und damit rund 95 Prozent der Player am Markt - begründen dies mit fehlenden finanziellen und logistischen Möglichkeiten, von weit her oder gar im Ausland nach Mitarbeitern zu suchen. Die meisten der bundesweit gut 12.000 Zeitarbeitsfirmen sind Mittelständler und haben höchstens bis zu 100 Beschäftigte.

Spezialisierung und zusätzliche Geschäftsfelder

Dass die auf dem leergefegten Markt verbleibenden Fachkräfte nicht zuerst zu den Zeitarbeitsfirmen gehen - daran sind die Entleiher nach Meinung von Gewerkschaften mit Schuld. "Es liegt auch an der Zwei-Klassen-Gesellschaft auf dem Arbeitsmarkt", betont eine Sprecherin der Gewerkschaft IG Metall Baden-Württemberg. "Wenn die Unternehmen wie derzeit wieder vermehrt einstellen, werden Arbeitnehmer kaum die für sie schlechtere und unsicherere Alternative Leiharbeit wählen." Wenn Zeitarbeitsfirmen in ihrem Hauptgeschäft weiter erfolgreich sein wollen, müssen sie sich entweder nach zusätzlichen Geschäftsfeldern umsehen oder auf bestimmte Branchen spezialisieren. "Direkte Folge von Fachkräftemangel ist die Notwendigkeit, Nischen zu finden", erklärt Ralf Niederdrenk von PricewaterhouseCoopers. "Wer als "Kleiner' überleben will, muss sich fokussieren." So übernehmen kleine Firmen wie Synergie Personal Deutschland beispielsweise Gehaltsabrechnungen von Kunden oder die Bewerbersuche, werben für den Kunden Auszubildende an oder bieten Schulungen an. "Zeitarbeit ist nicht mehr alleiniger Broterwerb", sagt Munk. Das sieht auch der Interessensverband Zeitarbeit IGZ so: Die Mitgliedsfirmen "übernehmen quasi schon die Aufgaben von Personalabteilungen - von der Zeitungsanzeige bis hin zum Bewerbungsgespräch", erklärt Sprecher Wolfram Linke.

Regionalität als Standortvorteil

Hauptgeschäft bleibt bisher dennoch die Entleihung von Mitarbeitern. Rund 800.000 Zeitarbeiter gibt es in Deutschland, das entspricht etwa 2,5 Prozent aller Arbeitnehmer. Auf rund 22,3 Milliarden Umsatz schätzt die Beraterfirma Lünendonk das Marktvolumen von Zeitarbeitsanbietern. Zwischen 45 und 50 Prozent wird nach Worten Niederdrenks dabei von den Top 25 wie Randstad, Adecco oder Persona Service generiert. Die vielen "Kleinen" wiederum wollen Nachteile, die ihnen aus ihrer Regionalität entstehen, in Vorteile umwandeln: Sie konzentrieren sich auf bestimmte Berufsgruppen wie etwa Ingenieure oder Schweißer und bilden diese auch selber weiter wie etwa die Fair Personal in Ahaus. Ziel solcher Ansätze sei es, dass aus "geringqualifizierten Zeitarbeitnehmern stufenweise Fachkräfte werden", erklärt Volker Enkerts, Präsident des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP), der dazu im kommenden Jahr ein Pilotprojekt startet. Eine Entwicklung, die wiederum die Gewerkschaften zumindest ein bisschen freut. "Wir begrüßen es, wenn die Branche an ihrem Image arbeitet und zum Beispiel selber ausbildet", heißt es von Seiten der IG Metall.

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Schlagworte zum Thema:  Zeitarbeit, Fachkräftemangel

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