DIW-Forscher haben berechnet, wie sich der Erwerbsanteil von Deutschen, EU- und anderen Ausländer bis 2040 entwickelt. Bild: DIW Berlin

Es gibt immer weniger Arbeitnehmer in Deutschland – und bis 2040 wird deren Zahl noch mehr schrumpfen, prognostiziert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Deutsche Arbeitgeber können demnach ihre Stellen künftig nur noch besetzen, wenn sie Ältere binden und Ausländer finden.

Die gute Nachricht vorweg: Die Zahl der Erwerbstätigen ist in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Nun mischen vor allem mehr Frauen und ältere Menschen auf dem Arbeitsmarkt mit, wie die aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin zeigt.

Auch der Zuzug von Ausländern – vor allem aus der EU – hat demnach erheblich dazu beigetragen, dass in Deutschland anteilig mehr Menschen arbeiten als noch vor zehn Jahren. Inzwischen, haben die Forscher festgestellt, weisen die Zugewanderten aus der EU sogar eine höhere Erwerbsbeteiligung auf als die Deutschen.

Demografie: Bis 2040 schrumpft die Zahl der Arbeitnehmer

Doch die Studie enthält auch eine schlechte Nachricht für deutsche Firmen: Denn auch, wenn immer mehr Menschen in Deutschland erwerbstätig sind – die absolute Zahl der Deutschen im erwerbsfähigen Alter (darunter fassen die Forscher Menschen im Alter von 15 bis 74 Jahren) nimmt stetig ab. Die Auswirkungen des demografischen Wandels konnte Deutschland bislang noch kompensieren – doch in Zukunft wird das nach Prognosen der Wirtschaftsforscher nicht mehr möglich sein.

Ihre Modellrechnungen zeigen: Deutschland wird künftig mehr noch als bisher auf die Zuwanderung ausländischer Arbeitnehmer angewiesen sein. In allen Szenarien des DIW schrumpft das Erwerbspersonenpotenzial bis 2040 – die Szenarien unterscheiden sich nur hinsichtlich des prognostizierten Ausmaßes und Zeitpunkts, ab dem es zu einer Abnahme kommt.

Ältere und Migranten sollen’s richten

Um gegen den Rückgang anzukämpfen, sollten deutsche Firmen nach Vorstellung der Forscher in Zukunft stärker als bisher auf ausländische Arbeitnehmer setzen. "Umso leichter ist die Alterung der jetzt ansässigen Bevölkerung ökonomisch zu bewältigen", sagt Studienautor Marius Clemens. Die Zahl der benötigten Fachkräfte aus dem Ausland ist hoch, wie ein Beispiel aus der Studie zeigt: Selbst im Fall, dass jährlich 200.000 neue Arbeitnehmer nach Deutschland kommen, rechnen die Forscher mit einem Rückgang des Erwerbspersonenpotentials.

Zudem werben die DIW-Forscher dafür, auch Ältere künftig vermehrt in den Arbeitsmarkt einzubinden. Deren Potenzial dürfe nicht durch "politisch motivierte Fehlanreize wie Frühverrentung oder Altersteilzeit" vorzeitig verloren gehen, kritisierten die Forscher. "Die Privilegierung der Altersteilzeit bei Steuern und Abgaben ist unter dem Aspekt der Erwerbsbeteiligung kontraproduktiv", findet Studienautor Karl Brenke.

Ausländische Arbeitnehmer mit höheren Löhnen locken

Damit Ausländer und Ältere künftig stärker in den Arbeitsmarkt integriert werden, appellieren die DIW-Forscher an Politiker und Arbeitgeber: Beide müssten bessere Möglichkeiten für die Zuwanderung vor allem von qualifizierten Arbeitskräften schaffen.

Die Berliner Forscher gehen davon aus, dass der Markt über Angebot und Nachfrage dafür sorgt, dass mehr Personen nach Deutschland kommen wollen. "Höhere Löhne könnten Arbeitskräfte aus dem Ausland anziehen – und zwar in denjenigen Marktsegmenten, in denen die Knappheit am größten ist", ist Karl Brenke überzeugt. Dabei dürfte es sich vor allem um anspruchsvolle Tätigkeiten handeln, für die nur entsprechend qualifizierte Kräfte in Frage kommen.

Schlagworte zum Thema:  Demografie, Diversity

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