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Deutschland steht vor einem neuen Jobaufschwung

Gute Aussichten für Jobsuchende.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Viele Konjunkturexperten sind sich sicher: Deutschland steht vor einem Jobaufschwung. Damit können nach Einschätzung des Chefs der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, endlich auch Arbeitslose wieder hoffen.

Noch verharren die Arbeitslosenzahlen auf winterlich hohem Niveau - manche Konjunkturforscher haben trotzdem kaum noch Zweifel: Deutschland steht vor einem neuen Jobaufschwung. Und der könnte - so lautet zumindest die Einschätzung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) - die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr um durchschnittlich 100.000 drücken. Noch vor kurzem hatten manche Fachleute allenfalls mit einem Rückgang um 30.000 bis 40.000 Jobsucher gerechnet, manche sogar mit einem Stillstand am Arbeitsmarkt.

Anziehende Auslandsnachfrage

Was Fachleute derzeit optimistisch stimmt, ist vor allem der Blick auf die Entwicklung jenseits des saisonalen Auf und Ab der Arbeitslosenzahlen. Immerhin, so das IW in einer Einschätzung, habe sich die saisonbereinigte Erwerbslosenzahl in den vergangenen drei Monaten um rund 60.000 verringert - in der Regel ein deutlicher Hinweise darauf, dass der Arbeitsmarkt von der Schubkraft der sich verbessernden Konjunktur profitiert. Ähnlich beurteilt auch die Deutsche Bundesbank die Lage: "Die konjunkturelle Grunddynamik dürfte sich im Winterhalbjahr 2013/2014 spürbar verstärkt haben", schreibt sie in ihrem aktuellen Monatsbericht. Ein Indiz dafür sei die "beinahe kontinuierlich verbesserte Einschätzung von Lage und Aussichten durch Unternehmen und private Haushalte". Neben der starken Binnennachfrage sorge derzeit vor allem die anziehende Auslandsnachfrage für eine "wirtschaftliche Aufwärtsbewegung". Die Industriekapazitäten seien inzwischen fast wieder normal ausgelastet.

Aus- oder Fortbildung gefragt

Damit können nach Einschätzung des Chefs der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, endlich auch Arbeitslose wieder hoffen. Viele von ihnen - vor allem jene, die schon länger ohne Arbeit sind - waren beinahe zwei Jahre vom Stellenboom abgehängt. Zu wenige von ihnen waren für die dringend zu besetzenden Stellen qualifiziert. Wer von dem Jobaufschwung profitieren will, wird allerdings auch künftig eine solide Aus- oder Fortbildung vorweisen müssen. Das zeigten jedenfalls die von der Bundesagentur veröffentlichten "Top Ten" der im Februar am meisten gesuchten Arbeitskräfte. Dort geht ohne mehrjährige Lehre meistens nichts. Mindestens aber ist ein Führer- oder Gabelstaplerschein zwingend gefragt. Der wird beispielsweise benötigt, um eine der 20.200 offenen Stellen "zum Führen von Fahrzeug- und Transportgeräten" zu ergattern.

Verkäufer sind gefragt

Gute Jobchancen haben gemessen an den aktuell freien Stellen auch Verkäufer und Verkäuferinnen. Mit 7,4 Prozent stieg die Nachfrage nach solchen Kräften im Februar so stark wie in keinem anderen Berufszweig. Insgesamt waren dort 29.500 Stellen frei. Dank einer besseren Auslastung der deutschen Metall- und Elektroindustrie haben inzwischen auch arbeitslose Metallfacharbeiter wieder eine größere Chance. Im Februar gab es dort 27 900 offene Stellen - im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 5,0 Prozent. Die weiteren "Top Ten" der offenen Stellen: Gesundheitsberufe (26.900 freie Stellen), Berufe in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik (26.700), Verkehrs- und Logistikberufe (25.400), Berufe in der Körperpflege und Medizintechnik (22.300), Tourismus- und Gaststättenberufe (21.000) sowie Unternehmensführung und Organisation (18.900).

Bundesagentur qualifiziert Arbeitslose

Wem es an der verlangten Berufsausbildung fehlt, der soll nach Vorstellung der Bundesagentur künftig mehr gefördert werden. Seit einigen Monaten schicken die Arbeitsagenturen verstärkt Arbeitslose ohne Qualifikation in längere Kurse. 320.000 Jobsucher haben in den vergangenen zwölf Monate solche Fortbildungen begonnen - fünf Prozent mehr als vor einem Jahr. Allerdings haben davon kaum Hartz-IV-Empfänger profitiert. Während die Zahl der Kurzzeitarbeitslosen in solchen Kursen binnen Jahresfrist um 28 Prozent zunahm, sank die entsprechende Zahl der Langzeitarbeitslosen um 14 Prozent.

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Schlagworte zum Thema:  Arbeitsmarkt, Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, Bundesagentur für Arbeit, Fachkräftemangel, Arbeitslose, Arbeitsagentur

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