| Deutsche Arbeitnehmer

Hoch motiviert, aber finanziell unzufrieden

87 Prozent der Mitarbeiter identifizieren sich stark mit ihrem Unternehmen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Viele Deutschen meinen, dass sie für ihre Arbeitsleistung zu schlecht bezahlt werden. Trotzdem schuften sie weiter wie die Weltmeister, hat eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes ergeben.

Ackern bis zum "Burnout", damit man bloß seinen Job nicht verliert - das war einmal. Jetzt, wo die Arbeitslosenquote fast einen historischen Tiefstand erreicht hat, entspannen sich auch die Arbeitnehmer. Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) machen sich nur noch 20 Prozent der Beschäftigten Sorgen um ihre berufliche Zukunft. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 waren es noch 80 Prozent. Dass die Sorgen abgenommen haben, hat nach Auffassung des DGB auch mit den guten Erfahrungen zu tun, die man während der Krise mit Kurzarbeit und anderen flexiblen Arbeitszeitmodellen gemacht hat. "Die Menschen haben gesehen, das es trotz der Krise nicht zu einem Arbeitsplatzverlust kam", sagt der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann.

Starke Identifikation mit dem Unternehmen

Doch auch ohne Angst um den Arbeitsplatz schuften viele Beschäftigte immer noch genauso emsig wie zuvor. Denn Arbeit ist für viele Menschen in Deutschland auch Sinnsuche. Laut DGB-Index identifizieren sich 87 Prozent der Arbeitnehmer stark mit ihrem Job. 69 Prozent der abhängig Beschäftigten haben sogar den Eindruck, "dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten". Für die Unternehmen ist dieses Arbeitsethos nach Auffassung der Gewerkschaften ein geldwerter Vorteil, den sie bei Überlegungen zur Produktionsverlagerung ins Ausland nicht unterschätzen sollten. "Dass sich die Arbeitnehmer so stark mit dem Unternehmen identifizieren, ist ein Wettbewerbsvorteil für Deutschland", sagt DGB-Chef Hoffmann. Die hohe Motivation der Arbeitnehmer wird zwar auf eine harte Probe gestellt, wenn sie das Gefühl haben, dass sie für ihre Leistung zu schlecht bezahlt werden. Doch nur die wenigsten Beschäftigten entscheiden sich wegen dieser gefühlten Ungerechtigkeit dafür, ihr berufliches Engagement zu reduzieren. Auf die Frage des DGB, ob das Einkommen in einer vernünftigen Relation zur Arbeitsleistung steht, antwortete fast jeder Zweite mit Nein. Elf Prozent der Arbeitnehmer finden, ihr Einkommen sei "gar nicht" angemessen. Weitere 38 Prozent sind der Meinung, ihr Einkommen sei nur "in geringem Maß" angemessen.

Hang zu Selbstausbeutung

Über Hektik und ein zu hohes Arbeitstempo klagen aktuell rund 56 Prozent der Beschäftigten. Jeder Vierte fühlt sich bei der Arbeit sehr häufig gehetzt oder klagt über Zeitdruck. Fast jeder Dritte erlebt diesen Zustand zumindest oft. Trotzdem weigern sich laut DGB auch unter den Gehetzten und Frustrierten nur wenige, wenn der Arbeitgeber "mit stillem Druck" Überstunden einfordert, die zum Teil nicht einmal bezahlt werden. Der Hang zur Selbstausbeutung nehme bei den nach Lebenssinn dürstenden Beschäftigten gelegentlich gesundheitsgefährdende Formen an, warnen die Gewerkschaften. Das Modell der "Vertrauensarbeitszeit", bei dem die Zeiterfassung wegfällt, und der Arbeitnehmer seine Aufgaben eigenständig organisiert, sei deshalb in Deutschland kein gangbarer Weg, findet der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie, Michael Vassiliadis. Sein Fazit: "Das klingt zwar gut, klappt aber nicht."

>> Lesen Sie auch: Die Deutschen schieben die meisten Überstunden

Schlagworte zum Thema:  Motivation, Arbeitnehmer

Aktuell

Meistgelesen